10 Argumente gegen Knast

veröffentlicht am 1. Oktober 2021

Knast bedeutet Isolation, Fremdbestimmung, Armut und Gewalt. Knast ist ein Mittel des Staates, sozialen Problemen zu begegnen. Knast soll strafen, abschrecken und „resozialisieren“, also dich wieder in die Gesellschaft eingliedern. Du hast aber kaum Gelegenheit zur Selbstbestimmung und bist vom Rest der Gesellschaft isoliert. Jede*r Dritte landet nach der Freilassung wieder drin. Knast ist ein gewaltvoller und monotoner Ort. Das autoritäre Strafsystem verstärkt Diskriminierung und wirtschaftliche Ausbeutung. Knäste dienen dadurch nicht dem Abbau von gewaltvollem Verhalten zwischen Menschen, sondern verstärken es.

1. Knast löst keine Sozialen Probleme

Gesetze sind so gestaltet, dass sie Arme härter treffen als Reiche. Kleine Diebstähle oder das Nicht-Bezahlen-Können von Rechnungen können dich hinter Gitter bringen, während Dir das Geld für Anwält*innen fehlt. Rund 2/3 der geahndeten Straftaten sind Eigentumsdelikte – Wenn Du armutsbedingten Stress und psychisches Leid mit Drogen betäubst, wirst Du kriminialisiert. Gewalttaten gegen Menschen spielen eine untergeordnete Rolle. Durch Diskriminierung und patriarchale Gewalt Traumatisierte werden so für die Folgen ihres Traumas noch bestraft. Soziale Probleme werden weggesperrt statt gelöst.

2. Knast bedeutet Ausbeutung

In 13 der 16 deutschen Bundesländer gilt eine Arbeitspflicht im Knast. Die Inhaftierten bekommen ca. 1-3 EUR pro Stunde und haben keinen Rentenanspruch. Menschen im Strafvollzug sind arm. Gleichzeitg sind die Produkte im Knastshop viel teurer als draußen. Wenn Du nicht den ganzen Tag eingeschlossen sein willst und Dir z.B. Tabak oder Schokolade kaufen willst, passt Du dich diesen ungerechten Bedigungen an. Knastarbeit ist für viele Firmen eine profitable Einnahmequelle, während der Knastbetrieb durch Steuermittel finanziert wird. Die Kosten des Knastbetriebes trägt die Gesellschaft, die Gewinne werden privatisiert.

3. Knast macht Krank

Der Knast ist ein schlechter Ort um physische und psychische Erkrankungen zu heilen. Die medizinische Versorgung ist schlecht und es gibt wenige Therapieplätze. Das Gesundheitssystem ist ein Klassensystem – Menschen haben oft armutsbedingte Vorerkrankungen. Die ganze Knaststruktur lässt Menschen noch kränker werden. Der medizinische Dienst ist geprägt von Personalmangel und Sprechstundenausfall. Fehlende Selbstbestimmung, einseitige Bewegung, stundenlanger Einschluss & Mangel an sozialen Kontakten setzen die Psyche derart unter Stress, dass körperliche Beschwerden die Folge sind.

4. Knast führt zu sozialer Isolation

Im Knast werden fast alle Möglichkeiten, deinen Freund_innen, deinen Kindern und deiner Familie nah zu sein unterbunden. Es gibt eine überwachte Besuchsstunde pro Monat, das Fahrgeld zum Knast ist für Angehörige oft teuer. Die verbleibenden Arten der Kommunikation (Telefonieren, Briefe schreiben) sind stark reglementiert und überteuert. In der JVA Zeithain kostete ein Gespräch ins Deutsche Mobilfunknetz beispielsweise 0,70 Cent/Minute. Es ist nicht möglich Flatrates zu buchen oder einen preisgünstigeren Anbieter zu wählen. In vielen Knästen dürfen nur wenige Nummern von einer festgelegten Liste gewählt werden. Briefe können kontrolliert, machmal sogar unterschlagen werden. Informationen von draußen erreichen Inhaftierte somit gar nicht oder sehr verspätet. Menschen werden sozial isoliert und verlieren den Kontakt zu ihrem früheren Umfeld. Wie diese Umstände mit dem Ziel der Resozialisierung zu vereinbaren sind, ist schleierhaft.

5. Knast soll Menschen brechen

Der Knastalltag ist eine Aneinanderreihung vieler sinnloser Regeln. Schlafen, essen, der Klogang, der Hofgang, arbeiten, kreativ sein, anderen nah; Alles wird reglementiert und liegt in den Händen Dritter. Inhaftierten Menschen wird ihre Mündigkeit und Würde abgesprochen. Die Strukturen in Knästen sind gezielt darauf ausgelegt, zwischenmenschliche Gewalt zu stärken und Solidarität zu brechen. Beispielsweise bekommst Du Hafterleichterung oder Begünstigungen wenn Du zu Ungunsten anderer Inhaftierter „kooperierst“. Setzt Du dich für andere ein ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du verlegt wirst. Bist Du widerständig, drohen Dir Zelldurchsuchungen, Einschluss und Verlust von „Privilegien“. All das übt einen enomen Druck auf Deine Psyche aus. Nicht umsonst ist die Suizidrate im Knast weitaus höher als außerhalb.

6. Resozialisierung gibt es nicht

Immer wieder wird „Resozialisierung“ angeführt, um die Gewaltförmigkeit des Straf-/Knastsystems zu verschleiern. Eine Resozialisierung an einem gewaltvollen Ort, an welchem Dir deine Mündigkeit geraubt wird, Du von deinem Umfeld isoliert bist, starren Regeln folgen musst und Du ausgebeutet wirst, ist in sich unschlüssig. Das Knastsystem steht der Idee der Resozialisierung entgegen. Sozialisationsprozesse im Knast sind zur Vorbereitung auf das Leben in Freiheit untauglich. Eine Verhaltensreflexion unter Zwang ist unmöglich. Selbst wenn Therapien aus freiem Willen geschehen würden, gäbe es zu wenige Plätze für alle Inhaftieren. In Deutschland ist der offenen Vollzug, welcher den Lebensverhältnissen draußen noch am ehesten nahekommt, unterbelegt, während beim geschlossenen Vollzug das Gegenteil der Fall ist.

7. Knast reproduziert Diskriminierung

Menschen, die Armut und Rassismus erfahren, nicht in Geschlechternormen passen, andere Formen von Diskriminierung erleben oder unter psychischen Erkrankungen leiden, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit eingesperrt als andere. Dies geschieht bspw. durch Ersatzfreiheitsstrafen oder rassistische Polizeikontrollen. Die Biografien von Inhaftierten sind häufig von zwischenmenschlicher und familiärer Gewalt geprägt. Der Knast schafft hier keine Unterstützung oder Verbesserung. Stattdessen ist der Knastalltag geprägt von Gewalt. Justizpersonal und Inhaftierte, die in der Rangordnung weiter oben stehen, unterdrücken die Schwächeren. So bestehen die Machtverhältnisse, die bereits außerhalb des Knastes bestehen, auch innerhalb fort.

8. Bestrafungen und Maßnahmen innerhalb von Knästen sind Folter

Knast ist eine Form von Bestrafung. Doch damit hört die gewaltvolle und demütigende Behandlung inhaftierter Menschen nicht auf. In Knästen gibt es weitere Sanktionsmittel gegenüber unerwünschtem Verhalten, wie zum Beispiel den Entzug von Hofgang, Einzelhaft im Bunker oder das dauerhafte Brennenlassen von Licht in der Zelle. In Deutschland gibt es völlig legal die Möglichkeit der Isolationshaft. Dort können Menschen nicht nur isoliert von anderen Menschen eingesperrt werden. Sie können auch jeglicher Sinnesreize beraubt werden. Diese extreme Form der Isolation wird auch weiße Folter genannt, da sie keine körperlichen Spuren hinterläßt. Folter – egal in welcher Form – zerstört die Psyche des Menschen.

9. Knast stigmatisiert ein Leben lang

Obwohl inhaftierte Menschen nach der Straflogik ihr „Vergehen“ verbüßt haben, werden sie nach Entlassung weiter diskriminiert. Sie haben Nachteile bei der Jobsuche, auf dem Wohnungsmarkt, beim Bezug von Renten und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Stigmatisierung von Menschen mit Knasterfahrung behindert eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zusätzlich. Die Armut, welche die meisten in den Knast gebracht hat, ist danach schlimmer. Jede*r Dritte landet nach Freilassung erneut in Gefangenschaft.

10. Knast schützt die Betroffenen von Diskriminierung und Gewalt nicht

Die Strafgesetze schützen in erster Linie Eigentum und Machtpositionen und nicht Menschen. Betroffene von (sexualisierter) Gewalt berichten immer wieder von retraumatisierenden Wirkung von Strafprozessen. Der Fokus liegt auf der Bestrafung und nicht auf der Aufarbeitung. Am Ende wird weder das Leid der Betroffenen geheilt noch das gewaltvolle Verhalten der Täter*innen gemindert. Im Gegenteil: im Knast werden zukünftige Nazis rekrutiert und toxische Männlichkeitsbilder verstärkt. Knast steht einer Aufarbeitung von Diskriminierung und Gewalt in der Gesellschaft entgegen.

Zusammenfassung:

Justiz und Knast wirken auf Deinen Alltag und die gesamte Breite der Gesellschaft. Dabei beginnen Strafe und Konditionierung bereits mit Familie, Schule, Arbeit und Behörden. Dort wird unser Verhalten durch die Ausübung von Druck geformt. Je größer das vermeintliche Fehlverhalten, um so größer die Strafe. Ein Großteil der Gefangenen sitzt aufgrund armutsbedingter Vergehen im Knast. Wir fordern, dass soziale Ungleichheit problematisiert und nicht das Verhalten einzelner kriminalisiert wird. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der ein gewaltloses und selbstbestimmtes Zusammenleben möglich. Dafür müssen Menschen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können. Indem wir Menschen wegsperren,lösen wir keine Probleme. Menschen brauchen aktive Unterstützung bei der Aufarbeitung von gewaltvollem Verhalten. Ebenso braucht es Strukturen zur Unterstützung von Gewalt Betroffener. Wir brauchen eine Kultur des direkten Eingreifens und Handelns gegenüber Diskriminierung und gewaltvollem Verhalten.

Wir wollen keinen queeren, veganen Knast mit freier Telefonie und Internet, sondern wir wollen gar keinen Knast.Knast lässt sich nicht verbessern, er ist als ganzes System ein Problem!

gefunden auf: https://abcdd.org/

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