Der 8. März 2025: Transfeministischer Streik gegen patriarchale Gewalt, Krieg und Armut
Aufruftext der italienweiten Bewegung NON UNA DI MENO anässlich des 8.3.2025 hier im Orginal auf italienisch nachzulesen:
Im Folgenden ungefähr auf Deutsch übersetzt im Sinne der internationalen feministischen Debattenkultur mit einigen wenigen persönlichen Anmerkungen der übersetzenden Person:
Am 8. März 2025 rufen wir zum transfeministischen Streik der produktiven sowie reproduktiven Arbeit, der Sorgearbeit, des Konsums auf. Bekämpfen wir die vergeschlechtlichen Rollenerwartungen, indem wir ein System der Reproduktion boykottieren, das immer gewaltförmiger und autoritärer wird.
Die Vertreter*innen der patriarchalen Kultur sprechen von Sicherheit als Ordnung, Kontrolle, Repression und Bestrafung.
Wir antworten, dass Sicherheit durch Bildung, durch Erziehung bzgl. Sexualität, Emotionen und Konsens im primären Bildungseinrichtungen entsteht.
Sicherheit, das sind öffentliche Dienstleistungen für alle*, feministische Anti-Gewalt Zentren die adäquat finanziert sind, das Recht auf Gesundheit und Selbstbestimmung, der freie, sichere und kostenlose Zugang zu Schwangerschaftsabbruch und Erleichterungen für Geschlechtsangleichungen.
Sicherheit, das ist die Finanzierung von Möglichkeiten der Trennung aus Gewaltbeziehungen, die verbesserte Koordination von zivil- und strafrechtlichen Prozessen, die Verbannung des Konzeptes des sogenannten „Entfremdungssyndrom“ (PAS) von Kindern gegenüber ihren gewalttätigen Eltern als aus der Rechtsprechung und der Stop der sekundären Viktimisierung bei Gericht.
Sicherheit, das ist ein Mindestlohn, würdevolle Löhne und entsprechende Arbeitsverträge.
Sicherheit, das sind leistbare Mieten, lebenswerte Viertel mit Grünflächen und sozialen Verbindungen, gegen die Einsamkeit und Ausschlüsse.
Sicherheit, das ist die Anerkennung als Staatsbürger*innen der zweiten Generation, der Ablass von Migrationsgesetzen die „Illegale“ produzieren, die Auflösung der bilateralen Verträge zwischen Lybien und Italien (Anm.: zur Regulierung „illegaler“ Migration), das Öffnen der Grenzen und das Schließen der Lager für Geflüchtete in Italien und Albanien.
Sicherheit ist Demilitarisierung.
Wir streiken gegen den Krieg, weil die militärische Eskalation exponenziell ist: Der Krieg ist die Realität im Leben von Millionen von Menschen: In Gaza und Westjordanland, sowie im gesamten Nahen Osten, in der Ukraine, in Russland, im Kongo und im Sudan. Wir wollen weder Opfer noch Kompliz*innen sein. Wir wollen nicht betäubt und manipuliert werden, von dem was weltweit passiert, weil der Krieg das ökonomische System regelt, Profite und Macht garantiert, während die Kosten des Krieges das Leben und die Armut von Menschen ist, die ausgebeutet und gespalten werden. Kriege werden von autoritären Regierungen geführt, von nationalistischen Politiken geleitet. Es ist notwendig zu reagieren, Widerstand zu leisten und zu widersprechen.
Wir streiken gegen die Regierung von Meloni und die Achse der ultrareaktionären Regierungen. Diese Rechte kennt keine Grenzen in ihrem Schüren von Hass. Ihre Freiheit ist das Privileg von einem Prozent der Bevölkerung.
Rechte sind unteilbar. Wenn sie einigen wenigen vorbehalten sind, sozialen Gruppen oder Minderheiten, heißen sie Privilegien. Wir erkennen den transfeindlichen Feminismus, der auf den Karren der Regierung aufgesprungen ist, nicht an: Sie unterstützen die Anti-Abtreibung Lobby, die Kürzung von Mitteln zur Geschlechtsangleichung, die Entrechtung von Kindern von queeren Eltern, sie sind unvereinbar mit dem Horizont der Freiheit und Selbstbestimmung der Körper und gewählten Lebensentwürfen. Die feministische Welle ist trans, lesbisch, schwul, migrantisch, rassifiziert, antirassistisch und antiableistisch.
Gegen das „Sicherheitsdekret“ das derzeit diskutiert wird, welches die Segregation und Bestrafung von Armut sowie der Kriminalisierung von Dissens verstärken wird; gegen die sogenannten „zone rosse“. Nach dem „decreto Caivano“, als Antwort auf die sexualisierte Gewalt gegen zwei Mädchen, wird dieses Modell in 7 italienische Peripherien exportiert. Diese proletarischen Zonen werden damit stigmatisier, die „Ordung“ soll zurückgebracht werden, während die sozialen und selbstorganisierten Zusammenhänge geschädigt werden, wie am Beispiel von Quarticciolo in Rom. Die Rückführung des Folterer und Kriegsverbrecher Almasri und die Tötung des jungen Ramy Elgaml während einer Verfolgung ist ein deutliches Bild für den Wert des Menschenleben für diese Regierung, was das eigentliche Sicherheitsinteresse für die „Jugendlichen der Peripherie“ ist.
Feminizide, Transizide, Lesbizide und Gewalt geschehen in intimen Beziheunen und im Kontext von Elternschaft: Wenn die Regierung Rassimus und Hass schürt und die Städte militarisiert, spielen sie mit dem Leben von uns allen.
Wir rufen alle Arbeiter*innen, Student*innen, Arbeitslose, Tagelöhner*innen, Aktivist*innen, Gewerkschafter*innen, die Anti-Gewalt-Zentren auf, aktiv am Aufbau des Streikes zu arbeiten.
Multiplizieren wir die Praxen des Streikes, um sie in der Stadt, im Konsum, an der Schule, an den Universitäten, in den Dienstleistungen und an den Orten der häuslichen Arbeit zu erproben.
Besetzen wir den öffentlichen Raum und tragen wir den Streik über seine bekannten Grenzen hinaus!
Boykottieren wir die finanziellen Ketten des Krieges und des Genozides in Palestina , indem wir uns den Kampagnen von BDS anschließen, erweitern wir die Praktiken des Konsumstreiks. (Anm.: BDS ist eine internationale antisemitische Kampagne, der Aufruf zum Boykott von Unternehmen, die als "jüdisch" wahrgenommen werden, wie hier in Form von Konsumstreik israelischer Unternehmen kann in Kontinuität zur nationalsozialistischen und faschistischen Verfolgung von Jüdinnen und Juden gesetzt werden. Zum weiteren Nachlesen eine ausführliche Analyse z.B. hier: https://florisbiskamp.com/2018/08/08/mitmachen-gegen-israel-teil-1-von-3-einer-mini-serie-ueber-die-israelfeindliche-bds-kampagne/
)
Das der 8. März dieses Jahr auf einen Samstag fällt, bringt Herausforderungen: Der Aufruf zu einem Generalstreik an einem Samstag ist unüblich, aber für uns ist es fundamental im Prozess der Redefinierung und Befüllung der Streikpraxis im Sinne aller, die traditionell von Streikpraxen ausgeschlossen waren. Mit dem transfeministischen Streik wollen wir all jene Arbeit sichtbar machen, die unsichtbar und prekär passiert, nicht als Arbeit anerkannt ist und wir wollen gemeinsam Praxen des Widerstandes finden die den Arbeitsrealitäten entsprechen – von jeglicher Arbeit, sei es der Sorgearbeit im familiären Kontext.
Der zeitgenössische Faschismus breitet sich aus und findet seine Unterstützung bei all jenen die die Selbstbestimmung von Frauen, Queers, Lesben, trans Personen, Migrant*innen, der zweiten Generation, Sexarbeiter*innen nicht akzeptieren. Wir sind aber überzeugt, dass die Kraft unseres Widerstandes ein solides Fundament hat, nämlich die Kraft einer Jahrzehnte alten Bewegung und dass die patriarchale, die faschistische, die koloniale und kapitalistische Welt nicht nachhaltig ist, weder ökologisch noch sozial.
Wir sind zusammen und wir sind wütend, wir werden uns weiterhin Raum nehmen um uns eine bessere Zukunft auszumalen.