Internationaler Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen

veröffentlicht am 30. Dezember 2020

Rund um den 17. Dezember finden Aktivitäten zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit gegen die weit verbreitete Gewalt gegen Sexarbeiter*innen und die struktruelle Diskriminierung der in der Sexarbeit Beschäftigten statt. Im folgenden eine kurze Info zum Tag gegen Gewalt, eine Aussendung mehrere (Selbst-)Organisatioen und eine kurze Info zur “The Red Edition SEXY Conference”.

Rund um den 17. Dezember wird seit nunmehr 17 Jahren die Notwendigkeit von Aktionen zum Ende von Gewalt gegen Sexarbeiter*innen aufgezeigt. Die Themen die Sexarbeiter*innen betreffen sind aufgrund unterschiedlicher Gesetze, sozialer und kultureller Kontexte von Region zu Region unterschiedlich - aber eine Gemeinsamkeit mit der alle Sexarbeiter*innen konfrontiert sind, ist ihre Vulnerabilität bzw. Verwundbarkeit und die Erfahrung von Gewalt. COVID-19 hat diese Situation verschärft. Sexarbeiter*innen berichten weltweit von ansteigender Gewalt und den Problemen die sie durch die Pandemie haben, ihren seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Sexarbeiter*innen sind verstärkter Gewalt ausgesetzt, weil ihre Tätigkeit durch Gesetze kriminalisiert wird und sie Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt sind. Die Vulnerabilität durch Gewalt für Sexarbeiter*innen, die mit HIV leben, die Drogen konsumieren, für Transgender Sexarbeiter*innen, Migrant*innen in der Sexarbeit und Sexarbeiter*innen die einer marginalisierten Gruppe angehören noch einmal verstärkt.

Grund dafür sind u.a. Jahrhunderte alte falsche Informationen über Sexarbeit, gefüllt mit Stereotypen, Mythen und moralischen (Vor-)Urteilen, die nach wie vor Politik und öffentliche Meinungen beeinflussen.

Deshalb werden dieses Jahr rund um den 17. Dezember weltweit online-Veranstaltungen, Gedenken und gemeinsame Aktionen statt, bei denen die Entkriminalisierung von Sexarbeit gefordert wird.

Presseaussendung anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen (17. Dezember)

Wir, das Netzwerk zur Unterstützung der Rechte von Sexarbeiter*innen in Österreich sind eine seit über zehn Jahren bestehende Gruppe von Beratungsstellen für und Selbstorganisationen von Sexarbeiter*innen in Österreich.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen machen wir darauf aufmerksam, dass sich die prekäre Situation der Sexarbeiter*innen in Österreich durch die Covid-19-Pandemie deutlich verschärft hat. Sexarbeit ist in Österreich eine legale Tätigkeit, trotzdem sind Sexarbeiter*innen Ungleichbehandlungen und Benachteiligungen ausgesetzt. Im Unterschied zu anderen Selbständigen fallen sie nämlich oft durch sämtliche Sicherheitsnetze und haben kaum Möglichkeiten, staatliche Unterstützungsleistungen in Anspruch zu nehmen.

Die Gründe dafür sind einerseits die Vorgehensweise von inländischen Banken, die sich weigern, Sexarbeiter*innen Girokonten zu gewähren.

Andererseits müssen viele Sexarbeiter*innen nach wie vor ihre Steuern über Betreiber*innen zahlen und verfügen daher über keine eigene Steuernummer. Ein weiteres Problem für Sexarbeiter*innen sind verdeckte Ermittlungen der Exekutive (Polizeibeamten, die sich als Kunden ausgeben), die bereits vor der Pandemie grobe Menschenrechtsverletzungen mit sich brachten und seit dem ersten Lockdown verstärkt weitergeführt werden.

Deshalb fordern wir erneut eine vollständige Entkriminalisierung der Sexarbeit durch die Anerkennung der Rechte von Sexarbeiter*innen aus menschen- und arbeitsrechtlicher Sicht, sowie die Einbeziehung von Sexarbeiter*innen selbst und unseres erfahrenen Netzwerkes in Entscheidungsprozesse, die die Sexarbeit betreffen.

In Wien fand zum Internationaler Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen eine zweitägige online-Konferenz von Red Edition - Migrant Sex Workers Group statt. Im Aufruf zur “The Red Edition SEXY Conference” am 17. und 18. Dezember 2020 hieß es (frei übersetzt):

"Treffen wir uns online, um über Respekt und allgemeine Ziele zu reden. Verstärken wir die Verbindungen zwischen Problemen, die Sexarbeiter*innen, Frauen, People of Color, LGBTQIA+ Personen, Migrant*innen, künstlerischen Aktivismus, Selbstfürsorge und mehr betreffen."

“The Red Edition SEXY Conference” is an invitation to our broader community to get together with us: in two days, we will welcome speakers from the sex worker and ally community to talk about community actions, diversity in the sex work community, drag fetish and sex, the European sex work movement and self-care for sex workers. We want to work across sectors and identities on our shared issues at a common table – so please join us, we hope to meet some new faces!

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