Kundgebungsaufruf: Bis die geleistete Arbeit bezahlt wird!

veröffentlicht am 16. März 2021

Lohnraub? Repression? Anzeigen? Nicht mit uns!

WAS-Kundgebung – am 150. Jahrestag der Pariser Kommune – vor der Firma Seamox wegen unbezahltem Gehalt, Donnerstag, 18. März, 16:00 Uhr, Rudolf-Nurejew-Promenade 1, vor der Stiege 1, 1220 Wien.

Die Firma Seamox weigert sich weiterhin das Gehalt eines Genossen unserer spanischen Schwestergewerkschaft CNT zu zahlen, der Ende 2019 als Programmierer über Seamox in Wien gearbeitet hat. Seamox war dabei das dritte Subunternehmen in einer Kette für einen großen österreichischen Telekommunikations-Konzern; ein Modell, das scheinbar bewusst undurchsichtig gestaltet wurde und bestens dafür geeignet ist, Verantwortung abzuschieben und Arbeitsrechte auszuhebeln, vor allem in Kombination mit der Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland, die kein Deutsch sprechen und sich so kaum wehren können. (Das WAS berichtete).

Ein Telekommunikationskonzern vergibt also einen IT-Auftrag an eine weltweit tätige Unternehmensberatung mit Niederlassung in Wien. Diese Unternehmensberatung vergibt einen Teil des Auftrages an einen europaweit tätigen IT-Dienstleiter, der ebenfalls ein Büro in Wien hat. Diese IT-Firma vergibt den Auftrag wiederum an Seamox, eine kleine Bude in Transdanubien, deren einziges Geschäftsmodell zu sein scheint, billige Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben und mit windigen Konstruktionen (nur vier Tage Anwesenheit vor Ort, …) die Sozialversicherungszahlungen zu umgehen, was sie dann „Nearshoring“ nennt.

Unser Genosse aus Spanien kam – gleichsam als moderner Wanderarbeiter – im Glauben, daß er einen halbwegs gut bezhalten Job in Wien hat, auf seine Kosten zur Arbeit angeflogen. Nach kurzer Zeit hat er gecheckt, daß es sich niemals um eine „Freie Tätigkeit“ handeln kann, sondern daß eine sozialversicherungspflichtige Anstellung vorliegt. Als diese Anstellung, die ihm bereits auch zugesagt wurde (schriftliche Zusage liegt dem WAS vor), nie passiert ist, hat er die Reißleine gezogen und nach ein paar Wochen die Arbeit beendet. Die bis dahin geleistete Arbeit ist bis dato nicht bezahlt worden! Im Gegenteil, unser Gewerkschaftsmitglied aus Spanien hat noch rund 1100,- Euro aus eigener Tasche für sechs Flüge und die Unterbringung in Wien vorgestreckt, …

Die Reaktion auf unsere erste Kundgebung vom Oktober 2020 vor Seamox war übrigens keinerlei Einlenken oder Einsicht, sondern – im Gegenteil – ein plumper Repressionsversuch! Der Firmeneigentümer bzw. seine Ehefrau haben zwei strafrechtliche Anzeigen gegen uns gestellt. Zum einen gegen die Genossin, welche die Versammlung angezeigt hat, mit dem Vorwurf der „Bedrohung“ durch die Kundgebung. Diese Anzeige hatte von Anfang an keine Chance und die Staatsanwaltschaft hat keinen Anfangsverdacht gesehen. Seamox musste lernen, daß es ein Demonstrationsrecht gibt, das wir in Anspruch genommen haben und auch in Zukunft nehmen werden.

Zum anderen gab es eine Anzeige gegen einen einzelnen Demonstrationsteilnehmer mit dem Vorwurf „Körperverletzung“. Allerdings waren die vorgebrachten Anschuldigungen und Behauptungen so offensichtlich konstruiert und in sich widersprüchlich, dass die Staatsanwaltschaft nach einigen polizeilichen Ermittlungen gar kein Verfahren eingeleitet hat.

Dieser Versuch, uns einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen, wird nicht erfolgreich sein!

Seamox und ebenso den drei anderen involvierten Firmen muß klar sein, daß wir nicht auf wundersame Weise verschwinden werden. Das Gehalt und die Sozialversicherung für die Arbeit, die im November und Dezember 2019 bereits geleistet wurde, muß bezahlt werden. Dies ist die einzige Möglichkeit, wie unsere Aktivitäten in diesem Fall beendet werden können. Solange das Gehalt ausständig ist, werden wir unsere Aktionen ausweiten, die Informationen über die Machenschaften intensivieren und eine immer größere Öffentlichkeit über die Praxen in der IT-Branche in Kenntnis setzen.

Kommt alle zur dritten Kundgebung vor Seamox in der Rudolf Nurejew-Promenade 1/1 am 18. März um 16:00 Uhr. Zeigen wir den Herrschaften der Firma Seamox, dass die Solidarität der ArbeiterInnenklasse stärker ist als ihre Repressionsversuche und Verleumdungen! Wir stellen diese Kundgebung bewußt in den historischen Kontext der Pariser Kommune. Am 18. März ist der 150. Jahrestag, den wir mit dieser Kundgebung im Sinne weltweiter Klassensolidarität direkt begehen wollen.

Solidarität ist eine Waffe!

Erstveröffentlichung auf dem WAS-Blog am 09.03.2021.

Alle Artikel zum Arbeitskonflikt mit der Firma Seamox – auch auf Englisch und Spanisch: wiensyndikat.wordpress.com/tag/seamox

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