Recherche zu gloria.tv

veröffentlicht am 4. Juni 2019

Der folgende Rechercheartikel beschäftigt sich mit der katholisch-fundamentalistischen Internetplattform gloria.tv. Ein paar Beispiele sollen nun dazu dienen zu veranschaulichen, dass es sich im Denken der verantwortlichen Personen rund um gloria.tv um eine rechtsextreme, erz-konservative und menschenverachtende Ideologie handelt.

2013 kam es aufgrund des Verdachtes von nationalsozialistischer Wiederbetätigung sowie Verhetzung von Seiten der fundamentalistisch-rechtsextremen Website kreuz.net (bzw. mittlerweile kreuz-net.at, hauptverantwortlich dafür ist Arnold von Grünstein) und gloria.tv zu Hausdurchsuchungen in Wien und Grieskirchen (Oberösterreich). Konkret wurden dabei zwei Wohnungen von Priestern durchsucht, ebenso wie das inoffizielle Büro von gloria.tv in der Großen Sperlgasse, wo sich auch der Sitz von Human Life International befindet. Die Verdächtigen kamen mit Strafanzeigen davon.

Erst im September 2018 brachte der ehemalige Grünen-Abgeordnete Karl Öllinger eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft ein, bei der geprüft werden soll, inwiefern die Aktivitäten von gloria.tv unter den Verhetzungsparagrafen fallen und außerdem, wie weit Verbindungen zwischen gloria.tv und kreuz.net bestehen. Ausschlaggebend dafür war anscheinend ein Video von gloria.tv, in welchem sexualisierter Missbrauch und Gewalt an Kindern und Jugendlichen innerhalb der katholischen Kirche komplett bagatellisiert werden und weiters die Schuld in der vermeintlichen Homosexualität der Täter ihren Ursprung findet.

Gloria.tv schreckt beispielsweise auch nicht davor zurück, Videos von Martin Sellner, einer der zentralen Figuren der rechtsextremen und antifeministischen Identitären Bewegung, auf ihrer Seite zu teilen: So war das Video, in dem Sellner angab, er würde von der Getränkefirma „Thomas Henry“ gesponsert werden, selbst dann noch auf gloria.tv anzusehen, als Sellner selbst nach einer Unterlassungsklage das Video wieder löschte. Außerdem wurden Wahlkampfvideos von Björn Höcke und anderen Mitgliedern der AfD geteilt – das verdeutlicht erneut eine rechtsextreme Ideologie der MacherInnen.

Wenn auf der Website Aufrufe oder Berichte zu Demonstrationen geteilt werden, so sind das neben antifeministischen, homo-feindlichen Aufrufen (wie “Marsch für das Leben”, etc.) auch rechtsextreme, wie beispielsweise „Nein zum Migrationspakt“ in Wien und Berlin (in diesem Kontext teilten sie erneut ein Video von Martin Sellner, in welchem er den ausgedruckten Migrationspakt vor der UNO City in Wien zerreißt…), oder äußerst problematische Berichterstattungen zu den Vorfällen und Demonstrationen in Chemnitz.

Gloria.tv zeichnet sich aber neben seiner Online-Präsenz auch dadurch aus, dass sie insbesondere beim jährlichen „Marsch für die Familie“ (Recherche siehe hier) linke Gegendemonstrant_innen filmen und beschimpfen. Dem folgt dann auch meist ein Bericht über die Ereignisse – 2018 schien dabei wohl folgendes als besonders erwähnenswert: „In allen Jahren vorher entwickelte sich der Marsch, der als Demonstration vorschriftsmäßig angemeldet und genehmigt war, zu einer Art Straßenschlacht. […] In diesem Jahr hatte die Polizei keine Probleme damit, die linken Rowdies auf Sicherheitsabstand zu halten. Zum ersten Mal in fast einem Jahrzehnt verlief der Marsch friedlich. Nach Informationen von gloria.tv gab es im Vorfeld eine politische Intervention zugunsten des Marsches, was auf die neue österreichischen Regierung zurückzuführen ist. Diese hat im Dezember 2017 das sozialistische Regime abgelöst und ist offenbar gewillt, die Grundrechte sicherzustellen.“

Ein führender Mitarbeiter von gloria.tv ist der Schweizer Theologe und katholische Priester Reto Nay. Nay unterrichtet in den 1990ern unter anderem am “Internationalen Theologischen Institut für Studien zu Ehe und Familie (ITI)” in Gaming (Niederösterreich). Ab 2006 arbeitet Nay als Priester in Sedrun in der Schweiz , nachdem er von 2002 bis 2006 im Norden von Moldawien in sozialen Projekten tätig war. Nachdem in der englischsprachigen Version von gloria.tv Bilder von deutschen Bischöfen mit Hakenkreuzen erschienen, wurde Nay vom Dienst in Sedrun freigestellt. Bereits 2009 erschienen auf gloria.tv antisemitische Beiträge, die Nay damals als „ganze katholische Bandbreite“ rechtfertigt. Reto Nay soll zwar untergetaucht sein, ist jedoch nach wie vor aktives Mitglied von gloria.tv. Im November und Dezember 2018 wurden regelmäßig Video-Beiträge von seinen Predigten, die während der „gloria.tv-Pilgerreise“ nach Patmos, Griechenland im Spätsommer 2018 entstanden sein sollen, veröffentlicht. Nay ist also noch immer als katholischer Prediger und anonym als Mitarbeiter von gloria.tv aktiv.

Die wohl bekanntesten MitarbeiterInnen von gloria.tv sind das Geschwisterpaar Markus und Eva Doppelbauer aus Linz. Markus Doppelbauer studierte u.a. am ITI in Gaming Theologie, wo er vermutlich Reto Nay kennenlernte, und wurde 2006 zum Priester geweiht. Doppelbauer befand sich zusammen mit Nay bis 2013 in der Pfarre Sedrun, obwohl er dort kein offizielles kirchliches Amt ausübte. Eva Doppelbauer studierte ebenfalls Theologie in St. Pölten und Wien. Laut Recherchen der Wochenzeitung „Die Zeit“ produzierte Eva Doppelbauer zusammen mit Julia Blaimschein die tägliche Nachrichtensendung „Gloria Global“, die Eva Doppelbauer früher auch moderierte. Als scheinbar aktivstes Mitglied des Videoportals produzierte sie auch zahlreiche andere Beiträge für gloria.tv, einer der bekanntesten ist aus dem Jahr 2011. Für diesen wurde eine schwangere Frau mit versteckter Kamera dazu angestiftet, eine Beratung in der Abtreibungsklinik Gynmed in Wien in Anspruch zu nehmen. In dem von Doppelbauer moderierten Videobeitrag, der anschließend auf gloria.tv und unter dem selbigen Profilnamen veröffentlicht wurde, wird Abtreibung (Überraschung!) mit Mord gleichgesetzt und der behandelnde Arzt als geldgierig und unprofessionell dargestellt. Im Videobeitrag wird auch behauptet, dass die Frau vom Arztes, der immer wieder in gloria.tv-Beiträgen diffamiert wird, zu der Abtreibung gedrängt worden wäre. Die Doppelbauer-Geschwister pflegen auch ein besonderes Näheverhältnis und Sympathien für die katholisch-fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen von Human Life International (mehr Infos siehe hier), die die Klinik regelmäßig belagern und Psychoterror auf schwangere Personen ausüben. Auf gloria.tv gibt es zahlreiche Videobeiträge, in denen die betenden FundamentalistInnen in Schutz genommen werden oder Markus Doppelbauer einen Exorzismus vor den Toren der Klinik abhält. Eva Doppelbauer ist bis heute bei zahlreichen rechtsextremen und christlich-fundamentalistischen Veranstaltungen mit Kamera anwesend, um Videomaterial für ihr Portal zu sammeln.

Ein weiteres Geschwisterpaar, das eine tragende Rolle bei gloria.tv spielt, sind die Schwestern Doina Buzut und Lucia Starinski (früher Buzut). Doina Buzut lernte Reto Nay in Balti, Moldawien kennen, 2005 wurde gloria.tv dort offiziell gegründet. 2006 begab sich Buzut als Nays Hausangestellte in die Pfarre Sedrun, in die Schweiz. Doina Buzut moderiert abwechselnd mit ihrer Schwester Lucia Starinski die englischsprachige Ausgabe der gloria.tv Nachrichten, die „Gloria TV News“. Lucia Starinski moderiert zusätzlich seit ein paar Jahren die deutschsprachige Ausgabe der gloria.tv Nachrichten, die jeden Werktag auf dem Portal erscheinen. In der Nachrichtensendung werden hauptsächlich rassistische, sexistische, homofeindliche und faschistische Inhalte mit Bezug auf die katholischen Kirche gebracht.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei einer weiteren MitarbeiterIn von gloria.tv um Julia Ammerstorfer (früher Blaimschain). Ammerstorfer kommt wie die Doppelbauer-Geschwister aus Oberösterreich und studierte wie Eva Doppelbauer Theologie in St. Pölten. 2007 war Ammerstorfer auch bei der Jugend für das Leben (mehr Infos siehe hier) engagiert und organisierte mit dieser eine Demonstration vor der ehemaligen Abtreibungsklinik in der Lugner City. Auf gloria.tv wurden bis 2009 fast täglich von Ammerstorfer moderierte Beiträge zu Themen wie Ehe, „Himmel“ und „Hölle“ veröffentlicht.

Sabrina Birkhof beteiligt sich ebenfalls am fundamentalistischen Nachrichtenportal. Birkhof war neben ihrem Engagement bei gloria.tv auch in der Redaktion des konservativ-katholischen Internet-Nachrichtenportals kath.net tätig. Derzeit beteiligt sie sich auch an der von Gudrung Kugler gegründeten katholischen Heiratsbörse kathTreff.org und ist immer wieder mit FundamentalistInnen von der Jugend für das Leben unterwegs.

Genauso wie die Inhalte von gloria.tv ist auch die Geschichte ihrer Internet-Domain äußerst dubios. Von der Gründung 2005 bis Ende 2014 war gloria.tv offiziell unter einer Firma in Moldawien registriert. Dass es sich bei der Toiletten- und Textilartikel-Firma mit dem Namen „Dodalu S.R.L.“ um eine Scheinfirma handelte, ist wahrscheinlich (benannt nach den 2 Anfangsbuchstaben der Buzut-Kinder: Doina, Dan, Lucia). Bis 2014 waren die Namen der MitarbeiterInnen von gloria.tv öffentlich einsehbar, ab dann wurde die Webseite anonym betrieben. 2015 verschob sich der Hauptsitz von gloria.tv offiziell nach Moskau. 2017 ist gloria.tv offiziell von Moskau nach Dover im US-Bundesstaat Delaware gezogen und unter der „Church Social Media Inc.“ gemeldet. Zur „Church Social Media Inc.“ lassen sich im Internet keine Informationen finden. Seit 2007 ist der „Förderverein gloria.tv“ in der Großen Sperlgasse 33/1, auf der gleichen Adresse wie Human Life International, in Wien als Verein registriert. Da vor allem die Doppelbauer-Geschwister regelmäßig bei christlich-fundamentalistischen und rechtsextremen Veranstaltungen mit dabei sind, ist es naheliegend, dass spätestens nach der Vertreibung der beiden Priester aus der Schweiz, der Mittelpunkt von gloria.tv in Wien liegt.

Anmerkung der Moderation

Dieser Artikel wurde von fida-blog.info übernommen.

Weiterlesen

zum Thema Feminismus:

zum Thema Antifaschismus:

zum Thema ProChoice: