Statement zu den KV-Abschluss SWÖ

veröffentlicht am 1. April 2020

Hinter unserem Rücken kam es wie befürchtet zu einem Abschluss des Kollektivertrags der SWÖ (Sozialwirtschaft Österreich), der viele von uns direkt betrifft.

Auch diejenigen von uns, die andere Kollektivverträge haben (z.B. Caritas und Rotes Kreuz), sind indirekt betroffen – hat der SWÖ doch Signalwirkung für die weiteren Kollektivverträge im Sozialbereich.

Die Verhandlungen standen zu Beginn noch unter Druck der Basis klar auf eine 35 Stunden Woche ausgerichtet. Eine für Österreich lange nicht für möglich gehaltene Forderung, der auch mit der entsprechenden Streikbereitschaft Nachdruck verliehen wurde. Warum dann ausgerechnet in Zeiten der Ausgangssperre weiterverhandelt wurde, in der es keine Möglichkeiten für Aktionen gibt, in der das soziale Leben in Österreich so gut wie still steht, ist uns schleierhaft.

Offenbar hat die Gewerkschaftsführung Angst vor ihrer eigenen Basis bekommen und die Gelegenheit des durch die Coronakrise verursachten Stillstands beim Schopf gepackt, um der Basisbewegung in den Rücken zu fallen! Nach all unserem Engagement und Risiko im Arbeitskampf. Während wir direkt Betroffenen des Kollektivvertrags tagtäglich noch stärkeren Belastungen und erhöhtem Infektionsrisiko ausgesetzt sind und entsprechend gut abgelenkt waren. Wir sind wütend.

Der Abschluss passiert in einer Zeit, in der die Gesellschaft den Wert sozialer Arbeit erkennt, in dem uns oft applaudiert wird und wir als “Held*innen der Arbeit” bezeichnet werden. Der Gewerkschaft ist das offensichltich egal, warum würde sie sich sonst weigern, um eine monetäre Anerkennung für uns zu kämpfen? Noch dazu schliesst sie einen Kollektivvertrag für 3(!) Jahre ab. Der Gewerkschaft ist offensichtlich der sozialpartnerschaftliche Frieden, wo sie selbst endlich wieder Gehör findet, wichtiger als die Anliegen für uns Arbeiter*innen. Sie will möglichst schnell zur Normalität zurückkehren. Dabei übersieht sie bewusst, dass eben jene Normalität den medizinischen, pflegerischen und sozialen Notstand hervorgebracht hat, der die Corona-Krise verschärft. Es ist unglaublich, wie weit sich die Gewerkschaftsbürokratie von unserer Arbeitsrealität entfernt hat!

Den Abschluss im Detail und eine Analyse warum das Ganze de facto eine Verschlechterung für uns bedeutet könnt ihr bei “sozial aber nicht blöd” und beim Betriebsrat von Bildung im Mittelpunkt nachlesen.

Sagt der Gewerkschaft eure Meinung, tretet aus dieser gelben Gewerkschaft aus und gründet kämpferische Basisorganisationen!

In normalen Zeiten hätten wir jetzt Aktionen vor der Gewerkschaftszentrale (und natürlich vor den Büros der Arbeitgeber, des Sozialstadtrats etc.) gestartet. Doch dank der Ausgangssperre ist das nicht möglich. Das heißt aber nicht, dass wir untätig bleiben müssen. In digitaler Form können wir jetzt schon protestieren, Außerdem brauchen wir Diskussionen, Strategien und Allianzen, wie wir trotz der selbstgewollten Schwäche der Gewerkschaft, die uns dennoch (oder gerade deswegen?) vertritt, kämpferisch bleiben können. Sobald die Zeiten es zulassen, wird die Gewerkschaft mit unserer Enttäuschung und unserer Wut konfrontioert werden!

Weiterlesen

zum Thema Arbeitskämpfe:

zum Thema Soziale Kämpfe:

zum Thema Staat & Herrschaft: