Update Caritas Reinigungskräfte-Auslagerung: Einigung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung

veröffentlicht am 8. Juli 2019

Beim Konflikt über die Auslagerung der Reinigungskräfte der Caritas gibt es also eine Einigung zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Der Konflikt wird von der Caritas, also von der Geschäftsführung UND dem Betriebsrat, übereilt ad acta gelegt.

Orf.at berichtet bereits darüber - und überhaupt ist auf einmal alles sehr schnell gegangen. Wir meinen: Viel zu schnell! Mit dem starken Rückenwind von der Belegschaft wäre für den Betriebsrat viel mehr möglich gewesen!

Doch zunächst:
Was genau beinhaltet diese Einigung und was bedeutet sie für derzeitige und zukünftige Reinigungskräfte?

Magdas wird nicht unter den Caritas-Kollektivvertrag gestellt!
Der Betriebsrat gibt damit seine wichtigste Forderung auf und die Caritas bleibt ein Zweiklassen-Unternehmen mit zwei unterschiedlichen Kollektivverträgen. Für alle zukünftigen Reinigungskräfte bedeutet das 25% weniger Lohn. Wir von ’Sozial, aber nicht blöd’ fragen uns: Wie konnte der Betriebsrat der Caritas so schnell dieser Niederlage zustimmen?

Es gab zu diesem Thema eine einstimmig beschlossene Resolution und noch im "Wien Heute"-Beitrag vom 21.6. betonte die Caritas-Betriebsrätin Gabriele Wurzer die Losung ’Eine Caritas – Ein Kollektivvertrag!’. Sie sah zu Recht die gesamte Belegschaft hinter sich und kündigte weitere Proteste an. Wo waren diese Proteste? Wieso gibt der Betriebsrat einen Kampf auf, bevor dieser überhaupt begonnen hat? Wir verlangen Antworten! Wir fordern eine weitere Betriebsversammlung, bei der die gesamte Belegschaft über das Zustandekommen dieses Deals informiert wird. Dabei muss es zu einer Urabstimmung darüber kommen, ob die Belegschaft diese Vereinbarung akzeptieren kann oder nicht! Wir von ’Sozial, aber nicht blöd’ rufen dazu auf, diesen Kompromiss nicht zu akzeptieren, im Gegenteil: Jetzt muss es noch lauteren Protest geben und der Druck auf die Caritas und auch auf ihren Betriebsrat muss noch viel größer werden! Eine Caritas – Ein Kollektivvertrag!

Neben der Möglichkeit zu Aus- und Weiterbildungen können ’die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt konkret zwischen einem freiwilligen Abfertigungsmodell und einer Beibehaltung ihres aktuellen Lohnniveaus mittels einer Umstiegsprämie wählen. Für Kollegen, für die ein Wechsel zu magdas oder das Ergreifen eines anderen Berufes nicht infrage kommt, gibt es die nun mit dem Betriebsrat akkordierte Möglichkeit, bei der Caritas beschäftigt zu bleiben’ (caritas.at). Dieser Deal könnte tatsächlich allen derzeitigen Reinigungskräften helfen, ihre Einkommensverluste zu kompensieren.

Doch für uns sind dabei noch einige Fragen offen:

  • Was genau beinhaltet dieses freiwillige Abfertigungsmodell?
  • Wie lange gilt diese Umstiegsprämie?
  • Wird sie jährlich mit den Lohnsteigerungen angepasst oder langsam von diesen aufgefressen?
  • Ist diese Umstiegsprämie damit wirklich eine Garantie der Caritas, die Gehaltsverluste der betroffenen Frauen nachhaltig auszugleichen, oder werden die Lohneinschnitte damit nur ein paar Jahre nach hinten verschoben?
  • Ist dies wirklich eine Jobgarantie unter dem Caritaskollektivvertrag für alle - und zwar wirklich alle! - Reinigungskräfte, die nicht zu magdas wechseln und keine Umschulungen in Anspruch nehmen wollen?
  • Bedeutet dies auch, dass Reinigungskräfte, die schon zu magdas gewechselt sind oder ohne Wechsel gekündigt wurden, nun die erneute Möglichkeit zur Rückkehr unter den Caritas-Kollektivvertrag haben?

Die Caritas muss ihre eigenen Worte nun ernst nehmen und auch allen Frauen, welche die Caritas aufgrund dieser Umstrukturierung bereits verlassen haben, einen neuen Job unter dem Caritas-Kollektivvertrag anbieten!
All diese offenen Fragen gehören in einer Betriebsversammlung mit abschließender Urabstimmung beantwortet!

übernommen von: https://sozialabernichtbloed.blogspot.com/