Eingekreist in Machida

veröffentlicht am 14. Oktober 2019

Am 5.10. 2019 hielt die rechtsextreme „Japan First Party“ im Tokyoter Vorort Machida eine Kundgebung ab. Gezählt 11 RassistInnen standen etwa 50 AntifaschistInnen gegenüber, welche die rechte Kundgebung umkreisten und störten.

Machida (町田) ist einer dieser typischen Tokyoter Vororte. Zwar mit seinen Shopping-Centern, Einkaufsmeilen und tausenden Menschen auf engem Raum immer noch urban, doch andererseits zeugen die gut sichtbaren Wälder in der Umgebung davon, dass man so langsam ins ländliche Japan hinüberdriftet.

Und an so einem relativ abgelegenen Ort gibt’s eine Nazikundgebung? Nun, ja. Der von autonomen Antifas betriebene Watchblog „Rassismus-Beobachtung und Infoarchiv“ zählte alleine in diesem Jahr japanweit schon weit über 100 rassistische Aktionen in der Öffentlichkeit. Darunter fallen sowohl Kleinstkundgebungen mit nur 1-2 AktivistInnen als auch größere Demonstrationen mit mehreren hundert TeilnehmerInnen.

Insbesondere in den konservativen, ländlichen Gegenden mit kaum antifaschistischen Strukturen gehen solche Kundgebungen in der Regel störungsfrei über die Bühne.

Da Machida aber letztendlich immer noch Tokyo ist, fanden sich etwa 50 Antifas, welche die Kundgebung der „Japan First Party“ von Anfang mit lautstarkem Protest begleiteten. So wurden beispielsweise Antifa-Fahnen und andere Transparente in die Höhe gehalten um die Sicht auf die rechtsextreme Kundgebung zu verstellen.
Ebenfalls recht beliebt bei japanischen AntifaschistInnen ist auch die Taktik, mehrere Megafone auf Piepsmodus zu stellen, die Lautstärke voll aufzudrehen und sie auf die rechte Kundgebung zu halten. Dies erzeugt eine unglaublich nervende Geräuschkulisse. Sowohl für die Rechten selber als auch für Schaulustige, die daraufhin lieber das Weite suchen.
Von den 11 anwesenden RassistInnen sprach neben Ken Watanabe (渡辺賢)noch Hirokazu Nakamura (中村ひろかず), seines Zeichens Vorsitzender des Tokyoter Sektion der „Japan First Party“ und selbsternannter „Makoto Sakurai Ultra“. Bei Makoto Sakurai handelt es sich um den Gründer der „Japan First Party“, welcher jedoch schon seit Jahren eine der bekanntesten und schrillsten Figuren der japanischen extremen Rechten ist. Mehr über ihn gibt es in den nächsten Wochen in einem gesonderten Artikel.
Nach etwa einer Stunde war der Spuk letztendlich vorbei. Da die rassistische Kundgebung de facto von Antifas umzingelt war, gelang es der „Japan First Party“ auch kaum Flugblätter an PassantInnen zu verteilen. Letztendlich wussten die Rechten auch nicht, wie sie sich aus der antifaschistischen Umzingelung lösen könnten. Ken Watanabe wurde sichtlich nervös und fing an eine/n antifaschistische/n AktivistIn zu stoßen, woraufhin ein kurzer Tumult ausbrach und Watanabe von der Polizei zur Seite gezogen wurde.

Kurz danach wurde die gesamte Gruppe der 11 FaschistInnen kurzerhand von der Polizei in einer Blitzaktion zum Zug eskortiert (die Kundgebung fand direkt vor dem Bahnhof statt)

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