Manifest von Anders Behring Breivik im ExLibris-Sortiment

veröffentlicht am 31. Januar 2021

Mit einem offenen Brief wenden wir uns an die Migros, deren Tochterfirma Ex Libris AG es für legitim hält, das Manifest von Anders Behring Breivik im Sortiment zu haben.

Sehr geehrte MIGROS-Geschäftsleitung,

der Norweger Anders Behring Breivik hat am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen kaltblütig ermordet. Am selben Tag wird er verhaftet und gesteht ausnahmslos. Ihr Tochterunternehmen ExLibris hat sein Manifest, ins Sortiment aufgenommen.

Sie geben damit einem Menschen, welcher in rechtsradikaler, menschenverachtender Ideologie handelte, eine Plattform. Auf eine Aufforderung, das Buch aus dem Sortiment zu nehmen, antwortete Ex Libris: «Wenn Gerichte und Prüfstellen das Buch nicht verbieten, sieht das Unternehmen keinerlei Grund, kein Geld damit zu verdienen.» Stattdessen kritisiert eine Sprecherin von Ex Libirs laut einem Artikel von republik.ch Journalist*innen, dass diese durch die Berichterstattung über rechtsextreme Literatur deren Verkauf zusätzlich anheizen würden. Sehen Sie denn gar keine Doppelmoral in dieser Haltung? Ex Libris hat den bewussten Entscheid gefällt mit einem gewaltverherrlichenden und rassistischen Werk Geld zu verdienen. Ihre Sprecherin begründet die Aufnahme ins Sortiment unter anderem damit, nicht als Zensurstelle agieren zu wollen. Gleichzeitig masst sie sich an, Journalist*innen für ihre Nachfragen dazu zu kritisieren.

Die MIGROS hat in ihrer Form als Genossenschaft eine gesellschaftliche Verantwortung. Diese Verantwortung sollte vor monetären Ambitionen stehen. Ex Libris macht den Entscheid, das Werk in das Sortiment zurück zu nehmen, ausschliesslich vom Entscheid der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften abhängig. Und dies obwohl sie anerkennt, dass es sich um ein Werk mit rechtsradikaler Gesinnung handelt. Ihre Tochterfirma schiebt damit jede Verantwortung von sich. Wir fragen uns ausserdem, was ihre Sprecherin in diesem Falle unter „persönliche oder von Dritten besonders akzentuierte Meinungen und Präferenzen“ versteht? Ist das Ablehnen der scheusslichen Taten und der rassistischen Ideologie des Autors für sie wirklich nur eine „besonders akzentuierte Meinung“?

Wir haben einen Vorschlag: Wir organisieren gemeinsam antirassistische Buchtage, für und mit Ihren Buchfilialen. Wir können Sie beraten, mit Ihnen gemeinsam aus einer Fülle an Werken ein bereicherndes Arrangement zusammenstellen. Für weniger Hass und Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Wir geben gemeinsam positiven Menschen die Plattform, welche sie verdienen. Und sie als Unternehmen können sicher auch den ein oder anderen Franken daran verdienen. Wenn es Ihnen wirklich ernst ist, dass Ex Libris einen „Beitrag an die kulturelle Vielfalt des Landes“ leistet, können Sie diesem Anliegen für Diversität so sicher besser Rechnung tragen.

Liebe MIGROS-Geschäftsleitung: Es gibt viel Unrecht und menschenverachtendes Handeln, welches nicht durch Gerichte und Prüfstellen als solches deklariert ist. Aber es ist und bleibt Unrecht und menschenverachtend. Auch wenn die Prüfstelle das Werk nicht auf den Index setzt: Es darf nicht in das Sortiment von Ex Libris zurückkehren.

gefunden: https://barrikade.info

Weiterlesen

zum Thema Antifaschismus: