Alfredo Cospito: Erste deutsche Übersicht zum Kampf

veröffentlicht am 27. November 2022

In unseren deutschsprachigen Gegeninformationsmedien fehlt bisher der internationale Bezug. Man muss erst selbst recherchieren um einen Eindruck davon zu bekommen, was tatsächlich gerade passiert. Hiermit soll dem ein wenig abgeholfen werden. Als bekannt werden die Umstände Alfredo Cospito’s bisher 4-wöchigem Hungerstreik vorausgesetzt, mit dem er für seine Verlegung aus der Isolationsfolter und gegen lebenslange Strafen kämpft.

Der Kampf breitet sich international in den Knästen aus

Dem unbefristeten Hungerstreik sukzessive beigetreten sind die Gefangenen Juan Sorroche, Ivan Alocco (in Frankreich) und Anna Beniamino. Toby Shone hat sich in englischer Haft angeschlossen, indem er regelmäßig aber mit Unterbrechungen das Essen verweigert und indem er die von ihm verlangte Zwangsarbeit für den Konzern G4S verweigert. Im italienischen Knast von Alessandria hat Nicola De Maria, Militanter von Brigate Rosse – Colonna Walter Alasia (‘Red Brigades – Walter Alasia Column’), der seit 1982 einsitzt, den Einschluss in seine Zelle kurzzeitig verweigert und diesen Akt des Widerstand mit Solidarität für Alfredo Cospito und drei weiteren 41bis-Häftlingen aus den Roten Brigaden begründet.
Weitere Gefangene haben in Statements den Kampf unterstützt. So die zwei Mitglieder der Organisation “Revolutionärer Kampf” Pola Roupa und Nikos Maziotis. Ebenso Thanos Xatziangkelou, Mitglied der Anarchistischen Aktionszellen, der im Athener Korydallos Gefängnis sitzt. Aus Sardinien meldete sich der Gefangene Davide Delogu mit Worten der Solidarität, aus dem chilenischen Knast Francisco Solar.

Die Isolation ist durchbrochen - der Streik hat jetzt eine Stimme auf der Straße

Von Beginn des Hungerstreiks an gibt es in vielen Regionen, auch außerhalb italienischen Territoriums Solidaritätsaktionen. Hier eine kleine Auswahl:

Direkt am 20. Oktober gingen in Trient Menschen Parolen rufend auf die Straße, zogen durch die Stadt und hinterließen auch Graffiti.
Am 23. Oktober gingen im römischen Stadtteil Centocelle am Rand einer Lesung zu 41bis einige der Leute unangekündigt mit einem Demonstrationszug durch die Straßen, wo sie Propaganda verteilten und auch sprühten
Am 1. November fand am Rand von offen mobilisierten Kundgebungen vor den Knästen in Terni und Spoleto eine unangekündigte Demonstration durch Spoleto statt, die längere Zeit unbehelligt laufen konnte. Erst nachdem einer halben Stunde Rioteinheiten auftauchten, musste die Demo geordnet beendet werden.
Am 12. November fand im Zentrum Roms, im Stadtteil Trastevere die groß mobilisierte Demonstration statt, zu der um die 400 Menschen kamen. Vier Stunden lang wurden mehrere Straßen dichtgemacht und es kam auch zu Spannungen und Auseinandersetzungen mit der Polizei, als die Demonstration versuchte Richtung Regina Coeli Gefängnis zu marschieren. (Video: https://darknights.noblogs.org/page/3/)

Begleitet werden die kollektiveren Aktionen von einer Vielzahl von Interventionen, Sabotagen und Angriffen auf Symbole der Unterdrückung. Z.B….

Am 25. Oktober besetzten einige Leute das Hauptquartier von Amnesty International in Rom, nicht jedoch um etwas von der Organisation zu fordern sondern um “ihnen ihr falsches Gewissen ins Gesicht zu spucken”
In Genua wurde am 27. Oktober das Dach vom Sender RAI besetzt
In Trient wird am 28. Oktober der Sitz von RAI eingefärbt
30. Oktober, Glasgow: Veranstaltung und Bannerdrop
In Berlin wurde am 31. Oktober ein Firmenfahrzeug vom Knastprofiteur GA-Tec angezündet
In Leipzig brennen am 31. Oktober/1.November ein Miele und ein Spie-Transporter
In Hamburg wird in öffentlichem Raum ein Bild gegen 41bis gemalt
In Grugliasco, Turin, brennt ein 5G Mobilfunkmast
Milano, 2. November: Intervention in einer Kunstveranstaltung, die das Motto “Zwischen den Mauern” hat
3. November, das Gericht in Genua wird beschmiert
Am 5. November brennen in Anzola dell’Emilia mehrere Lastwagen eines Knastprofiteurs, der auch an Abschiebeknästen verdient
Am 6. November wurde ein Baukran des La Scala Theater von zwei Leuten besetzt, die ein Transparent entrollten. Supporter*innen mobilisierten spontan zu einer Versammlung vor Ort.
Am 6. November werden an mehreren Orten in Rom Schnellzuglinien und normale Schienen sabotiert sowie Graffiti hinterlassen
In Athen wird im Rahmen des Generalstreiks am 9. November durch Banner und Graffiti Solidarität mit Cospito ausgedrückt
Am 12. November werden in einer Straße gesmasht: Geldautomaten, Benetton, Banca Popolare di Milano; der Sender RAI erhält ein Feuerwerk
Am 16. November wird in Trient eine Deutsche Bank entglast, neben Graffiti für Cospito wird auch “Kriegstreiber” gesprüht
Am 19. November findet in Thessaloniki eine Kundgebung für die Hungerstreikenden statt

Es geht weiter!

Wie gesagt war dies nur ein Ausschnitt. Die Liste von Aktionen für Alfredo ist sehr lang und wird jeden Tag länger. 41bis wird selbst in entlegenen Gebieten auf Sprüchen an der Wand, auf kreativen und informativen Flyern und Plakaten angeprangert. Für den 30. November wird jetzt vorgeschlagen, einen internationalen Aktionstag zu machen und schon länger gibt es aus dem umkämpften Gebiet bei Bure einen mehrsprachigen Aktionsaufruf.

Die Nachricht über den Kampf der Hungerstreikenden hat sich also bereits ausgebreitet und Multiplikatoren gefunden. Die Mobilisierung in italienischen Territorien ist beachtlich, unterliegt doch die anarchistische Bewegung seit vielen Jahren einer erstickend repressiven Kampagne. Viele dort sind im Knast oder stehen unter Hausarrest. Der italienische Staat hat sich mit der Anwendung von 41bis möglicherweise verkalkuliert. Das Abstellen von Cospitos Mikrofon in seiner Zelle und sein somit vielleicht endgültig besiegeltes Verstummen hinter den Gefängnismauern haben noch nicht zum Verstummen anarchistischer Ideen geführt. Im Gegenteil: das Schweigen beginnt zu Dröhnen…. Macht mit!

Viele Infos, teilweise in englisch gibt es hier:
https://lanemesi.noblogs.org/

https://tumulte.org/2022/11/articles/alfredo-cospito-erste-deutsche-%C3%BCbersicht-zum-kampf/

30. November: Aktionstag in Solidarität mit Alfredo und den anderen Hungerstreikenden (GER-ENG-ITA)
31. November: Aktionstag in Solidarität mit Alfredo und den anderen Hungerstreikenden

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