Sexualpädagogik an Schulen gefährdet

veröffentlicht am 26. Juni 2019

Presseaussendungen der Plattform Sexuelle Bildung

Presseaussendung vom 24.6.

Wien (OTS) – „Kinder und Jugendliche brauchen externe Sexualpädagogik von professionellen AnbieterInnen, die nach wissenschaftlichen, nicht ideologischen Kriterien geschlechtersensibel Wissen zu selbstbestimmter Sexualität, Beziehung, Körperlichkeit und sexueller Gesundheit (etwa Verhütung) vermitteln und einen nichtdiskriminierenden wertschätzenden Zugang zu diesen Themen bieten“, heißt es in einem Statement der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit. Sie zählt über 100 Mitglieder, darunter zahlreiche kirchennahe Vereine sowie die Berufsverbände von Psychologie, Psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Antworten auf ‚peinliche‘ Fragen

„Jugendliche sind dankbar für Workshops, in denen sie völlig frei über ihre ganz intimen Fragen mit ExpertInnen sprechen können. Vielleicht auch gerade deshalb, weil sie danach wieder weg sind. So fällt es leichter, auch ansonsten ‚peinliche‘ Themen anzusprechen. Professionelle und ernsthafte Sexualpädagogik begleitet Kinder und Jugendliche in ihrer psychosexuellen Entwicklung – externe ExpertInnen sind dabei ein Baustein von vielen, ein wichtiger“, so Elke Prochazka, Projektleitung der SeXtalks 2.0 und langjährige Psychologin bei Rat auf Draht.

„Qualitätsvolle Sexualpädagogik sieht eine Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrpersonen und externen Fachkräften vor, welche von Schulen hinzugezogen werden können und Fachexpertise mitbringen. In Sexualpädagogik-Workshops bekommen Kinder und Jugendlichen altersgemäße Antworten auf ihre Fragen – ohne Leistungsdruck in einem sicheren Rahmen“, so Ines Pazdera, Obfrau der Plattform Sexuelle Bildung.

Knapp 10.000 Unterschriften erreichte die Petition #redmadrüber in wenigen Tagen, zahlreiche ExpertInnen melden sich in Videostatements zu Wort.

Presseaussendung vom 19.6.

Experten sehen Kinderschutz und Missbrauchsprävention durch ÖVP-FPÖ-Antrag gefährdet. Folgen wären mehr Teenager-Schwangerschaften und sexuell übertragbare Infektionen

Salzburg (OTS) – „Wir sind hochbesorgt um die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und ob der Schulautonomie. Warum wird Lehrerinnen die Wahlmöglichkeit genommen? Sollte der Antrag durchgehen, gibt es keine externen Fachkräfte an Schulen mehr. Ein fundamentaler Rückschritt in der Prävention von sexualisierter Gewalt, ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Infektionen“, warnt Gabriele Rothuber, Geschäftsführerin der Fachstelle Selbstbewusst.

Jugendliche und Experten befürchten Rückschritt

„Jugendliche wollen intime Fragen zu Sexualität nicht mit der eigenen Lehrerin besprechen, die am nächsten Tag die Schularbeit kontrolliert. Es ist ein Skandal, wenn junge Menschen nun mit ihren Fragen, Ängsten und Unsicherheiten allein gelassen werden. Externe Vereine, für die sich Schulen frei entscheiden können, sind ein wichtiger Bestandteil von zeitgemäßer Aufklärung“, so Jakob Ulrich und Caroline Pavitsits, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung unisono.

„In sexualpädagogischen Workshops entsteht schnell ein vertrauter Rahmen, in dem persönliche Probleme und Fragen besprochen werden können. Über Sexualität zu reden übersteigt für manche Lehrpersonen persönliche Grenzen – das ist auch verständlich, weil ihre Rolle eine andere ist“, so Ingrid Lackner, Leitung des sexualpädagogischen Angebotes Abenteuer Liebe sowie der Stabstelle für Prävention gegen Missbrauch und Gewalt der Katholischen Kirche Steiermark.

Bundesweites Statement und Petition

Das bundesweite Statement wird von zahlreichen Experten und Expertinnen sowie knapp 100 Institutionen und bundesweiten Netzwerken unterstützt. Darunter die Kinder- und Jugendanwaltschaft, die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ), die Bundesjugendvertretung/Austrian Youth Council, die Österreichischen AIDS-Hilfen, das Netzwerwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen, die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung, SOS Kinderdorf Österreich, die Fachstelle NÖ für Suchtprävention und Sexualpädagogik, das Netzwerk sexuelle Bildung Steiermark, das Ehe- und Familienzentrum Feldkirch – und viele mehr.

Nächste Woche soll der umstrittene Antrag im Unterrichtsausschluss behandelt werden. Anfang Juli könnte der Ausschluss von Sexualpädagogik-Vereinen aus Schulen mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ in einer Sondersitzung des Nationalrats beschlossen werden. Die bundesweite Initiative startete heute eine Petition, um das zu verhindern unter dem Titel #redmadrüber: Initiative für eine qualitätsvolle Sexualpädagogik.

Mehr Infos unter:
http://sexuellebildung.at/aktuelles/presseaussendung-19-6/

Link zu bundesweitem Statement:
http://sexuellebildung.at/aktuelles/statement-sexualpadagik-externer-vereine-in-schulen/

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