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veröffentlicht am 3. Januar 2021

Wir schicken heiße Küsse an alle Genoss*innen und Queers in der Türkei – in der gerade ein neues Gesetz erlassen wurde: Artikel mit Regenbogensymbolik dürfen nun als „homosexuelle Propaganda“ erst an Personen ab 18 Jahren abgegeben werden.

Seriously? Sollten wir die Konservativen nicht einfach dafür auslachen, dass ihre Männlichkeit sogar von bunten Farben und Einhörnern angegriffen wird? Oder sollten wir wütend werden, dass die patriarchale häusliche Gewalt, gegen die Feminist*innen und Queers in der Türkei sich gerade massenhaft organisieren, den Gesetzgeber*innen nicht so verfolgungswert erscheint wie Regenbogen?
Woher kommt und was bedeutet diese neue Gesetzgebung?

Zum Hintergrund: Einen Großteil der Massenbasis der AKP machen die Menschen in den Vorstädten der Großstädte aus. Es ist diese ehemalige Landbevölkerung, teils in der zweiten und dritten Generation, in der oftmals rechts-konservativ religiöse, autoritäre und anti-feministische bzw. homo- und transfeindliche Ideologien weit verbreitet sind. Die Türkei befindet sich, auch aufgrund der Politik der AKP, in einer ökonomischen Krise. Eine Folge dieser Krise ist die massenhafte Verarmung großer Teile der Bevölkerung. Je länger diese Krise andauert, um so aggressiver werden von Erdoğan außenpolitisch eigene imperialistische Ambitionen vorgetragen und gleichzeitig nach innen Sündenböcke für die eigene Erfolglosigkeit gesucht. Mit abstrusen Gesetzen wie dem aktuellen zu „homosexueller Propaganda“ versucht die AKP-Regierung an die in der eigenen Basis vorhandenen Ressentiments anzuknüpfen. Im Moment des eigenen Scheiterns, ob privat auf dem Arbeitsmarkt als „männlicher Familienernährer“ oder die Türkei in der imperialistischen Staatenkonkurrenz: Als Feindbild bieten die, die sich nicht in patriarchal geprägte Rollen fügen können und wollen – oder ganz frei einfach auf Geschlechterstereotype scheißen – an. Ihr individuelles, liberales Glücksstreben statt Unterordnung unter Familie, Religion, Tradition oder Nation steht der nationalen Erzählung entgegen.
Dagegen zeigt die (queer)feministische Bewegung in der Türkei aktuell wie ein starker Widerstand aussehen kann.
Auch wenn die Bedingungen der Kämpfe, die Genoss*innen in der Türkei führen, anders sind als bei uns in Bremen: Uns eint die Hoffnung auf und die Sehnsucht nach einem anderen Leben, einer anderen Gesellschaft, jenseits von Patriarchat und Kapitalismus. Hoch die internationale feministische Solidarität!
Weitere Infos: dokuz8haber.net

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