Warum die Revolution im Sudan jetzt mehr denn je eure Solidarität braucht

veröffentlicht am 23. Februar 2022

Im Sudan führen Revolutionär:innen seit mehr Dezember 2019 einen kraftvollen Kampf für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit und haben bereits viel verändert. Doch im Oktober 2021 führte das Militär einen erneuten Staatsstreich durch und übernahm die volle Kontrolle über die Regierung. Im Widerstand spielen lokale Widerstandskomitees in den Nachbarschaften eine entscheidende Rolle: Sie verbarrikadieren die Straßen, organisieren Proteste und helfen den Schwachen. Fast 80 Demonstrierende wurden seither bei den Protesten vom Militär getötet, und viele Mitglieder der Widerstandskomitees und andere wurden verhaftet. Aufgrund der dezentralen Organisation ist es dem Militär bisher nicht gelungen, den Widerstand zu stoppen.
Was können wir von der Sudanesischen Revolution lernen und wie können wir die Revolutionär:innen unterstützen?
Hoch die internationale Solidarität!

Der folgende Text dokumentiert ein Flugblatt von Sudan Uprising aus dem Februar 2022:

Warum die Revolution im Sudan jetzt mehr denn je eure Solidarität braucht

Im Sudan führen Revolutionär:innen seit mehr als drei Jahren einen kraftvollen Kampf für Gerechtigkeit. Im Dezember 2018 erhoben sich die Sudanes:innen zu Millionen, um den Sturz des Militärregimes von Omar al-Bashir zu fordern. Sie nannten diesen Aufstand die "Dezemberrevolution". Ihre Forderungen lauteten und lauten Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit. Sie sind mit Kugeln, Tränengas und Verhaftungen konfrontiert worden, aber sie lassen nicht locker, organisieren sich gewaltfrei, protestieren, streiken und rufen den Zustand des zivilen Massenungehorsams aus. Im April 2019 besetzten Zehntausende Demonstrant:innen den Platz vor dem Militärhauptquartier in Khartum. Sie sicherten das Gelände, sorgten kollektiv für Nahrung, Unterkunft, Kunst, Bildung, Musik und Diskussionen. Es war nicht nur ein Protest, sondern auch ein Modell für die Gesellschaft, die sie schaffen wollen, eine Gesellschaft, die aktiv für die Sicherheit und Gleichheit aller Menschen und nicht nur der Mächtigen kämpft.

Das Sit-in wurde regelmäßig von der Staatsmacht angegriffen, und einige verloren ihr Leben, als sie die Barrikaden verteidigten, die das besetzte Gebiet schützten. Zehntausende Sudanes:innen strömten aus dem ganzen Land herbei, um das Sit-in zu verstärken und auch den anderen Demonstranten von ihrem Leben und ihrem Kampf zu berichten. Frauen* aus Darfur, den Nuba-Bergen und dem Blauen Nil berichteten von Krieg und massiver sexueller Gewalt sowie von der Vertreibung aus ihren Dörfern. Gruppen aus Städten, in denen der Goldabbau die Umwelt verwüstet hat, berichteten von ihrem Widerstand. Es kamen auch Gruppen von Arbeiter:innen, die Eisenbahnarbeiter:innen aus Atbara und die Hafenarbeiter:innen aus Port Sudan. Aus dem Norden des Landes kamen Menschen, die darüber berichteten, wie die Regierung ihre Gemeinden vertrieben hat, um Staudämme für die Wasserkraft zu bauen. Gruppen aus ländlichen Gebieten im ganzen Land kamen, um über den Landraub durch Agrarunternehmen zu sprechen, der die Umwelt und die Lebensgrundlage der Bauern und Hirten zerstört hat. Auch Studierende, Jugendliche, Feminist:innen, Musiker:innen und Künstler:innen, die sich dem Regime seit Jahrzehnten widersetzt hatten, nahmen an dem Sit-in teil. Mindestens zwölf weitere Sitzstreiks fanden in verschiedenen Städten des Landes statt, teilweise unter sehr schwierigen Bedingungen.

Am 3. Juni 2019 griff das Militär die Sitzstreiks an, tötete mehr als hundert Demonstrierende und verletzte viele andere. Das war verheerend, aber der Widerstand wurde daraufhin stärker. Im August 2019 einigten sich die Oppositionsparteien und das Militär auf eine Machtteilung, die von westlichen Ländern unterstützt wurde. Da die Unterdrückung anhielt und weder Gerechtigkeit noch Frieden erreicht wurde, gingen die Proteste seitdem sporadisch weiter. Im Oktober 2021 führte das Militär einen Staatsstreich durch und übernahm die volle Kontrolle über die Regierung. Die Widerstandskomitees sind Gremien, in denen hauptsächlich Jugendliche nach Stadtteilen organisiert sind. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Organisation ihrer Communities : Sie verbarrikadieren die Straßen, organisieren Proteste und helfen den Schwachen. Fast 80 Demonstrierende wurden seither bei den Protesten vom Militär getötet, und viele Mitglieder der Widerstandskomitees und andere wurden verhaftet. Aufgrund der dezentralen Organisation ist es dem Militär bisher nicht gelungen, den Widerstand zu stoppen.

Wie könnt ihr euch mit dem Kampf im Sudan solidarisieren?

Das Wichtigste, was ihr tun könnt, ist, Veranstaltungen zu organisieren und an Solidaritätsaktionen teilzunehmen. Es ist entscheidend, den sudanesischen Kampf sichtbar zu machen, besonders jetzt.

Unterstützt die Gruppen im Sudan, die sich derzeit gegen den Putsch wehren, materiell, und sei es noch so klein. Sie brauchen Masken und Schutzbrillen, um sich vor Tränengas zu schützen, Sprühdosen, um die Wände zu beschriften, und Wasser, um die Demonstranten während der Demos zu versorgen. Sie helfen auch den Familien der Getöteten, Verletzten, Verschwundenen und Verhafteten sowie den Menschen, deren Lebensunterhalt nicht mehr gesichert ist und die von Nahrungsmittelknappheit betroffen sind. Frauen*gruppen helfen auch Demonstranten, die sexuelle Gewalt überlebt haben und psychische, physische oder rechtliche Betreuung benötigen. Die Sudanese Doctor’s Union, ein Zusammenschluss von Ärzt:innen und medizinischem Personal, behandelt und kümmert sich täglich um Protestierende, die von Polizei und Militär während der Demos angegriffen wurden.

Setzt die deutsche Regierung und die EU unter Druck, die stillschweigende Unterstützung des Militärs im Sudan zu beenden und konkrete Maßnahmen, wie z. B. gezielte Sanktionen, zu ergreifen, um das Militär und die RSF-Miliz zu schwächen. Deutschland und die EU haben seit 2015 im Namen der "Migrationskontrolle" unter dem Dach des "Khartum-Prozesses" mit dem Militär im Sudan zusammengearbeitet.

Unterstützt sudanesische Geflüchtete in Deutschland, die ständig von der Abschiebung bedroht sind. Einige wurden seit Beginn der Revolution bereits unter extrem unsicheren Bedingungen abgeschoben.

Tauscht euch über den Sudan aus und teilt die Vision der Widerstandskomitees, nicht die der deutschen Regierung, der EU oder der großen, konzerngesteuerten NGOs, die vom afrikanischen Elend leben.

gefunden auf: https://de.indymedia.org/node/176427

Local Resistance Comitees:
https://resistancecommittee.com/en/

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