Rigaer 94 - Ein erneuter Räumungsversuch

veröffentlicht am 13. Juli 2020

Am Donnerstag um 07:00 zertrampelten Bullen einer Hundertschaft den Fahrradständer im Hof der Rigaer 93, um einzeln über den Zaun in unseren Hof zu klettern. Gleichzeitig besetzten sie die Dächer unseres Blocks. Die Bullen, mitsamt LKA 5 und 6, verschafften sich dann im Vorderhaus Zugang zu Wohnungen im 3. Stock unter dem Vorwand einer Durchsuchung wegen Urkundenfälschung und anderem. Laut der Presse durchsuchten sie gleichzeitig auch eine Wohnung in der Karl-Marx-Allee.

Entgegen ihres üblichen Vorgehens verzichteten sie auf einen Hubschrauber und machten bisher keinen Versuch, ins Hinterhaus einzudringen. Zwischenzeitlich führten sie den schlechtesten Verkehrsrechtsanwalt der Stadt, Markus Bernau, im Vorderhaus herum, vermutlich in der Absicht ihn bei Klagen gegen die dort besetzten Wohnungen zu unterstützen. Auch Torsten Luschnat, der meint unser neuer Hausverwalter zu sein, verschaffte sich Zugang zu diesen Wohnungen. Dabei hat die sogenannte Eigentümerfirma schon mehrfach vor Gericht bewiesen, dass sie eigentlich nichts beweisen kann, nicht einmal ihre Rechtmäßigkeit, gegen uns juristisch vorzugehen. Die bisherigen Gerichtsurteile haben sämtliche Klagen abgewiesen.

Am Dorfplatz sammelten sich derweil private Sicherheitskräfte der Firma Smart Guard Protection GmbH sowie Bauarbeiter, die später begangen unsere Türen im Durchgang zu zerstören und sich mit den Bullen mit Flex und Hämmern durchs Vorderhaus arbeiteten.

Eine Wohnung im Erdgeschoß, sowie der Dachboden und der Keller des Vorderhauses wurden bereits geräumt und laut Aussagen, die die Bullen gegenüber Anwält*innen äussern, haben sie vor jeden nicht vermieteten Raum zu räumen und zu besetzen. Um 15:30 Uhr verliessen die Bullen jedoch überraschend erstmal das Treppenhaus des Vorderhauses (verschwanden jedoch nicht komplett), liessen Bauarbeiter mit Demolierungswut, Securities sowie Torsten Luschnat aka die Lusche im Durchgang zurück …

Es ist uns nicht möglich zu sagen, was weiter passieren wird. Was jedoch klar ist, dass wir unser Haus verteidigen und uns unsere Räume zurückholen werden.

Der heutige Einsatz ist der Versuch des Senats und der Bullenführung, die Diskurshoheit über das Gefahrengebiet Nordkiez zurück zu erlangen. In den vergangenen Wochen verstärkte sich die Hetze einiger Abgeordneter um Tom Schreiber und ihrer Handlanger in den Medien. Die beabsichtigte Räumung der Liebig34 und die erwartete Konfrontation mit der Solidarität, die für dieses Projekt bis ins bürgerliche Lager reicht, macht es aus Sicht der extremistischen Mitte erforderlich das eigene Profil zu schärfen. In diesem Kontext sind die Medienberichte zu sehen, in denen von den netten Reichen berichtet wird, die ihren Traum des luxuriösen Lebens in der Rigaer Straße nicht verwirklichen können. Oder von einer Polizei berichten, die gar nicht so mörderisch und faschistisch sei, wie es die Statistiken ausdrücken, sondern die arme Opfer linker Gewalt sind, die im Übrigen identisch mit der rechten Gewalt sei.

Überraschend ist, dass der Senat und die Lobby der Investor*innen den frontalen Angriff auf die solidarische Stadt von Unten und den Widerstand gegen Verdrängung, nicht mit der erwarteten Räumung des Syndikats beginnen, sondern mit einem Fehler Henkel’scher Logik. Wir stehen am Anfang einer Phase, in der die Beseitigung jeder linksradikalen und anarchistischen Sichtbarkeit durchgezogen werden soll, die den Herrschenden im Kontext der Corona-Volksgemeinschaft sinnvoll erscheint.

Was passiert, ist offenkundig; wir sollen Räume und Projekte verlieren, wir werden sie jedoch verteidigen, es wird Verletzte und Verhaftete geben, ein Teil der Gesellschaft wird jubeln, andere werden den Kopf schütteln, es wird Soliaktionen geben, die Fronten im sozialen Krieg werden deutlicher werden …

Ihr wisst was in diesem Fall zu tun ist.

Eure Rigaer94

Übernommen von: https://rigaer94.squat.net/

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