Spendet für die Repressionskosten

veröffentlicht am 15. Juni 2021

Dies ist eine Zusammenfassung des Gerichtsverfahrens, in das zwei Aktivist*innen verwickelt sind, die im September 2016 in Kroatien verhaftet wurden, als sie einer Familie von vier Migrant*innen ohne Papiere halfen, Zagreb zu erreichen.

Der Prozess steht im Kontext der Militarisierung der europäischen Außengrenzen, die zwischen Serbien, Bosnien, Kroatien und Ungarn stattfindet, sowie der weit verbreiteten Kriminalisierung von Bewegungsfreiheit und Solidaritätsakten, die die meisten Länder betrifft.

Am Morgen des 21. September 2016 fuhren die beiden Aktivist*innen mit einer vierköpfigen Familie in einem Auto auf einer Landstraße und stießen etwa 50 km vor der serbischen Grenze auf eine Straßensperre der Grenzpolizei. Da die Familie keine Papiere vorweisen konnte, wurden sie auf die Polizeistation von Tovarnik, einer Kleinstadt nahe der serbischen Grenze, gebracht. Nach einem stundenlangen Verhör wurden die beiden Aktivist*innen wegen Begünstigung der illegalen Einreise, Bewegung und des illegalen Aufenthalts im Land festgenommen. Die gegen sie erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe stützen sich auf eine rechtswidrige, erfundene Zeugenaussage, die angeblich von der Familie gesammelt wurde, wonach es einen ökonomischen Austausch zwischen der Familie und den Aktivist*innen gegeben hätte. Während der Inhaftierung wurde der Familie das Recht verweigert, Asyl zu beantragen – wie es gängige Praxis ist – und dem kranken Vater wurde der Zugang zu medizinischer Versorgung verweigert. Die Familie wurde drei Tage lang festgehalten, um als Hauptzeug*innen gegen die beiden Aktivist*innen auszusagen, bevor sie nach Serbien zurückgeschoben wurde. Die beiden Aktivist*innen wurden zu einem Monat Untersuchungshaft verurteilt, kamen aber kurz darauf wieder frei, da dank der Unterstützung von Solidaritätsgruppen Geld für die Kaution aufgebracht werden konnte.

2017 bot der Staat einen Geständnis-Deal an, den die beiden Aktivist*innen nicht annahmen. Im Juni 2020 wurden sie ohne Prozess für schuldig erklärt, basierend auf den erfundenen Aussagen des Staatsanwalts. Als Strafe erhielten sie 8 Monate Gefängnis auf Bewährung und die Zahlung einer Geldstrafe. Auch gegen dieses Urteil legten sie Berufung ein, da sie sich weigerten, diese Verurteilung kampflos hinzunehmen. Nach fünf Jahren, im März 2021, begann der Prozess und es wird erwartet, dass er für einige weitere Termine fortgesetzt wird, wobei Prozesskosten in Höhe von etwa 10.000 Euro anfallen.

This is a summary of the court case involving two activists, arrested in Croatia in September 2016 whilst helping a family of four undocumented migrants to reach Zagreb. The trial situates itself in the context of the militarization of the European external borders, taking place between Serbia, Bosnia, Croatia and Hungary, as well as the widespread criminalization of movement and acts of solidarity, affecting most countries.

On the morning of the 21st of September 2016, both activists were driving in a car along a countryside road with a family of four and ran into a border police roadblock about 50km from the Serbian border. As the family was unable to provide papers, they were brought to the police station of Tovarnik, a small town near the Serbian border. After hours of interrogation both activists were detained on the grounds of favouring illegal entry, movement and stay in the country. The criminal charges brought against them are grounded in an unlawful, made-up testimony, allegedly collected from the family, according to which there would have been an economic exchange between the family and the activists. Whilst in detention, the family´s right to request asylum was denied – as it is standard practice – and access to medical care was denied to the sick father. The family was detained for three days in order to testify as main witnesses against the two activists, before being pushed back to Serbia. Both activists were sentenced to one month of investigative prison but were freed soon after, as money were raised for the bail thanks to the support of solidarity groups.

In 2017 the state offered a plea deal, which both activists did not accept. In June 2020, they were declared guilty without trial, based on the made-up statements provided by the state attorney. As a penalty, they were given 8 months of prison on parole and the payment of a fine. They appealed against this judgement as well, due to their refusal to accept such a conviction without a fight. After five years, in March 2021, the trial started and it is expected to continue for a few more dates, incurring in legal charges of about 10.000 euros.

Kontoinhaber*in: Rote Hilfe Leipzig
IBAN: DE88 4306 0967 4007 2383 05
BIC: GENODEM1GLS
Bank: GLS Bochum eG
Stichwort: Grenzenlose Solidarität

Weiterlesen

zum Thema Repression:

zum Thema Migration & NoBorder:

zum Thema Anti-nationaleSolidarität: