Cinzia Arruzza: Verkümmerte Reflexionen. Patriarchat und Kapitalismus.

veröffentlicht am 2. Januar 2020

Patriarchat und Kapitalismus werden oft als zwei Unterdrückungsformen betrachtet, die zwar autonom, aber dennoch miteinander verwoben sind. Die reduktionistische aber richtige Feststellung, dass patriarchale Verhältnisse vor dem Kapitalismus existierten, soll diese schematische Betrachtung des Verhältnisses zwischen Patriarchat und Kapitalismus untermauern. Letztere sollen, so hört man oft in anarchistisch/autonomen Kreisen, mitsamt dem Rassismus, der ebenfalls als autonomer und unabhängiger Unterdrückungsmechanismus verstanden wird, die Grundpfeiler der bestehenden Gesellschaft bilden. Wie diese drei – angeblich autonome Systeme – miteinander verwoben sind, wird meist außer Acht gelassen, obwohl richtigerweise festgestellt wird, dass keiner dieser Grundpfeiler über die anderen gestellt werden sollte. Der Weigerung die verschiedenen Unterdrückungsformen zu Hierarchisieren, ist nichts auszusetzen, doch geht sie oft mit einer mangelnden Auseinandersetzung mit der strukturellen Grundlage des Kapitalismus einher. So wird beispielsweise der Begriff „Klasse“ auf eine bloße Identität reduziert, „Ausbeutung“ überall, nur nicht in der strukturellen Aneignung der Mehrarbeit gesehen, und eine Analyse des Kapitalismus auf rein ökonomische Aspekte reduziert. Generell gibt es heute, vor allem in anarchistischen Kreisen, die Tendenz, in jeglicher Auseinandersetzung mit den Klassenverhältnissen einen Autoritarismus oder eine Rückkehr zum starren und vereinfachenden Schema vom Haupt- und Nebenwiderspruch zu wittern. Der vorliegende Text von Cinzia Arruzza kann dazu beitragen, ein wenig Ordnung in dieses Durcheinander zu bringen: Arruzza bespricht und kritisiert die populärsten theoretischen Interpretationen über das Verhältnis zwischen Patriarchat und Kapitalismus. Zusätzlich legt sie ihre eigene These über ebenjenes Verhältnis dar. Aufmerksame Zuhörer*innen und debattierfreudige Menschen werden im Verlauf des Textes bemerken, dass viele Argumente kritisiert werden, die oft von Linksreformist*innen über Linksextreme bis zu Anarchist*innen gleichermaßen reproduziert werden. Cinzia Arruzza ist Teil des Redaktionskollektivs des marxistischen „Viewpoint Magazine“, Professorin für Philosophie an der New School for Social Research in New York sowie feministische und sozialistische Aktivistin. Sie ist Autorin des Buches »Dangerous Liaisons: The Marriages and Divorces of Marxism and Feminism.« Der Originaltext erschien im Jahr 2014 auf Italienisch auf: http://www.communianet.org.

Übersetzung: Mariana Lautréamont.

Patriarchat und/oder Kapitalismus: Wiederbelebung der Debatte

Es ist alles andere als ungewöhnlich, dass in feministischen Texten, Broschüren, Artikeln und Dokumenten auf das Patriarchat und patriarchale Verhältnisse verwiesen wird. Sehr oft wird mit dem Begriff Patriarchat die Tatsache betont, dass Unterdrückung und Geschlechterungleichheit weder vereinzelt vorkommen, noch außergewöhnlich sind. Sie können in diesem Sinne nicht als Vorkommnisse verstanden werden, die bloß innerhalb von bestimmten zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten. Vielmehr durchdringen sie die gesamte Gesellschaft und reproduzieren sich auf der Grundlage von Mechanismen, die nicht lediglich auf individueller Ebene erklärt werden können.

Kurz gesagt, der Begriff Patriarchat wird oft verwendet, um zu unterstreichen, dass Geschlechterunterdrückung ein Phänomen ist, das mit einer gewissen Beständigkeit und einem sozialen Charakter ausgestattet ist und sich nicht nur auf individuell-zwischenmenschlicher Ebene äußert. Nichtsdestotrotz wird alles etwas komplizierter, wenn mensch versucht zu eruieren, was genau mit "Patriarchat" oder "patriarchalischem System" gemeint ist. Und es wird noch komplizierter, wenn mensch einen Schritt weiter geht und fragt, was das Patriarchat mit dem Kapitalismus zu tun hat und in welchem Zusammenhang es mit letzterem steht.

Für eine kurze Zeitspanne, zwischen den 1970er und Mitte der 1980er Jahre, war die Frage nach der strukturellen Beziehung zwischen Patriarchat und Kapitalismus Gegenstand einer hitzigen Debatte zwischen Theoretikerinnen und Aktivistinnen der materialistischen und marxistischen Strömungen innerhalb des Feminismus (das Spektrum reicht vom marxistischen Feminismus über den materialistischen Feminismus französischer Herkunft, bis zu den verschiedenen Varianten dessen, was oft als "sozialistischer Feminismus" bezeichnet wird: marxistischer Feminismus oder afroamerikanisch- materialistischer Feminismus, lesbisch-materialistischer Feminismus usw.). Die grundlegenden Fragen, die gestellt wurden, waren folgende: 1) Ist das Patriarchat ein eigenständiges System innerhalb des Kapitalismus? 2) Ist der Begriff "Patriarchat" angemessen, um auf Unterdrückung und Geschlechterungleichheit hinzuweisen?

Die interessanten Beiträge, die durch diese Debatte entstanden, gerieten allmählich in Vergessenheit als die Kapitalismuskritik aus der Mode kam und feministische Strömungen entstanden, die entweder den liberalen Blickwinkel nicht in Frage stellten, oder die Geschlechterfrage essentialisierten und sinnentleerten, während sie sie von den sozialen Klassen und dem Kapitalismus abkoppelten und Begriffe entwickelten, die sich als äußerst fruchtbar für die Geschlechterdekonstruktion herausstellten (insbesondere die Queer-Theorie der 1990er Jahre).

Aus der Mode zu kommen bedeutet natürlich nicht, zu verschwinden, und im Verlauf des darauffolgenden Jahrzehnts arbeiteten mehrere feministische Theoretikerinnen weiter an diesen Themen, auch wenn sie oft als Ausnahmeerscheinung, oder als Kuriosa galten, deren Existenz mit geballter Faust im Sack toleriert wurde. Sie hatten dennoch wahrscheinlich Recht. Zusammen mit der wirtschaftlichen und sozialen Krise erleben wir nämlich eine fragmentarische, aber bedeutende Rückkehr hin zur Frage nach dem strukturellen Verhältnis zwischen Geschlechterunterdrückung und Kapitalismus. In den vergangenen Jahren fehlten gewiss keine empirischen oder deskriptiven Analysen über spezifische Phänomene und Themengebiete, wie beispielsweise die Feminisierung der Arbeit, die Auswirkungen neoliberaler Politik auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen, die Überschneidung von Geschlecht, Rassismus und Klasse oder die Beziehung zwischen der Konstruktion sexueller Identitäten und kapitalistischer Akkumulationregime.

Eine Sache ist es jedoch, ein Phänomen oder eine Reihe von sozialen Phänomenen zu beschreiben, bei denen ein gewisser Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Geschlechterunterdrückung mehr oder weniger offensichtlich erscheint, eine andere Sache ist es, auf eine weniger diffuse Art und Weise, eine theoretische Erklärung anzubieten, weshalb im Allgemeinen ein Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Geschlechterunterdrückung besteht. Kurz gesagt: Gibt es ein Prinzip, nach dem die Verbindung zwischen Kapitalismus und Patriarchat organisiert ist?

Der Kürze und Klarheit halber werde ich versuchen, die interessantesten Hypothesen zusammenzufassen, die im Hinblick auf diese Frage vorgeschlagen wurden. In den folgenden verkümmerten Reflexionen werde ich diese verschiedenen Hypothesen einzeln analysieren und diskutieren. Um intellektuelle Ehrlichkeit zu gewährleisten und Missverständnisse zu vermeiden, sage ich von Anfang an, dass meine Rekonstruktion der unterschiedlichen Positionen nicht unparteiisch ist. Mein Standpunkt kann in der Tat durch die Hypothese Nr. 3 zusammengefasst werden.

Hypothese 1: Dual or triple system theory.

Die ursprüngliche Version dieser Hypothese lässt sich wie folgt zusammenfassen: Geschlechter- oder Sexualverhältnisse bilden ein eigenständiges, autonomes System, das mit dem Kapitalismus verflochten ist und die Klassenverhältnisse umformt, aber wiederum selbst vom Kapitalismus umgestaltet wird, d. h. es findet ein Wechselwirkungsprozess statt. Neuere Versionen der Theorie verstehen auch den Rassismus als ein System sozialer Beziehungen, das ebenfalls eigenständig und autonom ist, und mit Geschlechter- und Klassenverhältnissen verflechtet ist.

Im materialistisch-feministischen Diskurs wird diese Annahme oft von der Auffassung begleitet, dass Geschlechterverhältnisse und Rassismus ausbeuterische und unterdrückerische Systeme sozialer Beziehungen seien. Im Allgemeinen werden im Rahmen dieser Hypothese, die Klassenbeziehungen streng ökonomisch verstanden: Erst die Interaktion mit dem Patriarchat und dem Rassismus, verleiht den Klassenverhältnissen eine Dimension, die über die rein wirtschaftliche Ausbeutung hinausgeht. Eine alternative Variante dieser Hypothese hingegen, versteht Geschlechterverhältnisse als ein System kultureller und ideologischer Beziehungen, das, unabhängig vom Kapitalismus, aus früheren Produktionsmethoden und sozialen Formationen entstand, und nun in die sozialen Beziehungen innerhalb des Kapitalismus eingreift und letzterem eine Geschlechterdimension verleiht.

Hypothese 2: Der gleichgültige Kapitalismus.

Unterdrückung und Geschlechterungleichheit sind ein Überbleibsel früherer sozialer Formationen und Produktionsweisen, in denen das Patriarchat die Produktion direkt organisierte, was zu einer starren geschlechtlichen Arbeitsteilung führte. Der Kapitalismus an sich ist gleichgültig gegenüber den Geschlechterverhältnissen und könnte ohne Geschlechterunterdrückung auskommen, und zwar so sehr, dass es der Kapitalismus selbst war, der das Patriarchat in fortgeschrittenen kapitalistischen Staaten auflöste und die Familienbeziehungen radikal restrukturierte.

Kurz gesagt, der Kapitalismus hat ein rein instrumentelles Verhältnis zur Geschlechterungleichheit: Er nutzt sie, wo sie für ihn nützlich sein kann, und bringt sie in eine Krise, wo sie ein Hindernis darstellt. Diese Hypothese hat mehrere Variationen. Sie reichen von denen, die argumentieren, dass Frauen im Kapitalismus, im Gegensatz zu anderen Gesellschaftsformen, eine beispiellose Emanzipation erlebt haben, was wiederum zeigen soll, dass der Kapitalismus kein strukturelles Hindernis für die Befreiung der Frauen ist, bis hin zu denen, die argumentieren, dass man zwischen einer logischen und einer historischen Ebene unterschieden müsse. Aus logischer Sicht könne der Kapitalismus leicht auf die Geschlechterungleichheit verzichten, aber wenn wir von logischen Gedankenexperimenten absehen und zur historischen Realität übergehen, sei dies nicht unbedingt der Fall.

Hypthese 3: unitary theory.

Dieser Hypothese zufolge gibt es in kapitalistischen Ländern kein patriarchalisches System mehr, das unabhängig vom Kapitalismus ist. Etwas anderes ist es, dass es patriarchalische Verhältnisse gibt, die zwar weiterbestehen, aber kein System darstellen. Zu leugnen, dass das Patriarchat in kapitalistischen Ländern ein (autonomes) System ist, bedeutet jedoch nicht, dass im selben Zug die Geschlechterunterdrückung geleugnet wird. Denn letztere durchdringt die Gesamtheit der sozialen- und zwischenmenschlichen Beziehungen. Es liegt zudem der unitary theory fern, die Geschlechterunterdrückung als mechanische und direkte Folge des Kapitalismus zu betrachten oder sie rein ökonomisch zu erklären.

Es geht also keineswegs darum, in einen Reduktionismus oder Ökonomismus zu fallen oder die Bedeutung der Geschlechterunterdrückung zu unterschätzen. Vielmehr geht es darum, sich über die verwendeten Definitionen und Konzepte bewusst zu werden, damit eine per se schon komplexe Thematik, nicht verflacht.

Vor allem diejenigen Theoretikerinnen, die versucht haben, die unitary theory zu entwickeln, bestritten, dass das Patriarchat heute ein System mit Funktionsgesetzen und autonomen und eigenständigen Reproduktionsmechanismen sei. Gleichzeitig betonten sie die Notwendigkeit, den Kapitalismus nicht als eine Reihe von Gesetzen und Mechanismen rein wirtschaftlicher Natur zu betrachten, sondern als eine komplexe und gegliederte Gesellschaftsordnung, die in sich Ausbeutungs-, Herrschafts- und Entfremdungsbeziehungen trägt. Unter diesem Gesichtspunkt geht es darum, zu verstehen, wie die Dynamik der kapitalistischen Akkumulation ständig hierarchische Beziehungen und Unterdrückung produziert, reproduziert, transformiert, erneuert und aufrechterhält. All dies ohne die dabei wirkenden Mechanismen streng ökonomisch und mechanisch zu verstehen.

Eins, zwei oder drei Systeme?

Im Jahr 1970 schrieb Christine Delphy einen kurzen Aufsatz,"Der Hauptfeind", in dem sie die Existenz einer patriarchalischen Produktionsweise postulierte, die sich von der kapitalistischen Produktionsweise unterscheide. Im selben Zug bezeichnete sie die Hausfrauen als eine eigene Klasse im wirtschaftlichen Sinne des Wortes. Neun Jahre später veröffentlichte Heidi Hartmann den Artikel "Marxismus und Feminismus: Eine unglückliche Ehe", in dem sie Patriarchat und Kapitalismus als zwei autonome Systeme identifizierte, die aus historischen Gründen miteinander verbunden seien. Die Gesetze der kapitalistischen Akkumulation seien zudem geschlechtsblind, d. h. gleichgültig gegenüber dem Geschlecht der Arbeitskräfte. Müsse der Kapitalismus Hierarchien in der Arbeitsteilung erschaffen, dann würden Patriarchat und Rassismus bestimmen, wer diese Hierarchien zu erfüllen habe, und wie sie auszusehen hätten. Diese Hypothese wurde als "Theorie des dualen Systems" bezeichnet. 1990 schlug Sylvia Walby in "Theorizing Patriarchy" eine Neuformulierung der Theorie des dualen Systems vor, indem sie ein drittes, den Rassismus, hinzufügte und vorschlug, das Patriarchat als ein variables System sozialer Beziehungen zu betrachten, das aus sechs Strukturen besteht: der patriarchalischen Produktionsweise, patriarchalischen Verhältnisse in der Lohn- oder Gehaltsarbeit, patriarchalischen Verhältnisse im Staat, männlicher Gewalt, patriarchalischen Verhältnissen in der Sexualität und patriarchalischen Verhältnisse in kulturellen Institutionen. Diese sechs Strukturen bedingen sich gegenseitig und behalten gleichzeitig ihre eigene Autonomie: Sie können darüber hinaus öffentlich oder privat sein. In jüngerer Zeit hat Danièle Kergoat eine Theorie vorgeschlagen, die von einer Wesensgleichheit zwischen patriarchalischen Verhältnissen, Klassenverhältnissen und Rassismus ausgeht: Es handle sich dabei um drei Systeme von Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnissen, die sich überschneiden und die selben Wesensmerkmale haben (Ausbeutung und Herrschaft), aber sich gleichzeitig unterscheiden, wie die Wesenheit Gottes in drei Entitäten in der christlichen Trinität.

Dieser kurze Überblick über verschiedene Autorinnen und Texte ist nur ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Verflechtung zwischen patriarchalischem und kapitalistischem System, und ihre jeweiligen Differenzen, theoretisiert wurden. Es gibt auch andere Theorien, aber aus Platzgründen sehe ich mich dazu gezwungen, mich auf diese Beispiele zu beschränken, die gleichzeitig zu den klarsten und zu den systematischsten und komplexesten gehören. Wie ich bereits geschrieben habe, liegt die erste Schwierigkeit dieser Debatte darin, eine adäquate Definition des Patriarchats zu formulieren. Es gibt keine einheitliche Definition, sondern eine Reihe von Vorschlägen, von denen einige miteinander vereinbar, andere widersprüchlich sind. Da ich nicht in der Lage bin, sie alle zu analysieren, schlage ich vorerst vor, von folgender Konzeption des patriarchalischen Systems auszugehen: Es handelt sich um ein System materieller und kultureller Beziehungen, innerhalb dessen Frauen von Männern beherrscht und unterdrückt werden. Ein System, das mit einer eigenen Logik ausgestattet und doch empfänglich für den historischen Wandel und in kontinuierlicher Beziehung zum Kapitalismus ist.

Bevor ich mit einer Analyse derjenigen Probleme fortfahre, die sich durch diesen theoretischen Ansatz ergeben, ist es notwendig, eine erste Definition der Ausbeutung und einige Präzisierungen zu formulieren. Was die Klassenverhältnisse angeht, so bezeichnet die Ausbeutung einen Prozess oder Mechanismus, durch den, der von einer Klasse produzierte Überschuss, von einer anderen Klasse an sich gerissen wird. Dies kann entweder durch automatische Mechanismen geschehen, zum Beispiel durch Lohnarbeit oder durch die gewaltsame Enteignung eines Arbeitsprodukts, man denke z. B. an die Leibeigenen die von den Feudalherren mittels Autorität und Gewalt, dazu gezwungen wurden, eine Abgabepflicht einzuhalten. Kapitalistische Ausbeutung, im marxistischen Sinne, ist eine spezifische Form der Ausbeutung, die in der Aneignung des vom Arbeiter oder der Arbeiterin erzeugten Mehrwerts durch die Kapitalisten besteht: Im Allgemeinen muss man sich, um von kapitalistischer Ausbeutung sprechen zu können, mit Warenproduktion, abstrakter Arbeit, gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit, Wert und dem Lohn befassen. Dies, auch wenn verschiedene Formen der kapitalistischen Ausbeutung existieren können, die nicht auf der Lohnform basieren, zum Beispiel die Aneignung des durch Sklavenarbeit erzeugten Wertes auf Plantagen, die für die Herstellung von Waren bestimmt sind. Natürlich lasse ich hier weitere Hypothesen, wie die der ganzheitlichen Unterordnung der gesamten Gesellschaft unter das Kapital, die durch die Operaistinnen und Post-Operaistinnen vorangetrieben wurden, völlig unberücksichtigt: Um dieses Thema und seine Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse darzustellen, bedarf es eines weiteren Artikels. Kurz gesagt: Die Aneignung des Mehrwerts ist für Marx das Geheimnis des Kapitals, in dem Sinne, dass sie der Ursprung des produzierten sozialen Reichtums und seiner Verteilungsmechanismen ist.

Ausbeutung im Sinne der Aneignung des Mehrwerts ist nicht die einzige Form der Ausbeutung innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Vereinfacht gesagt: Auch Arbeiterinnen die einer unproduktiven Arbeit nachgehen, können (wertmäßig) im Sinne der Aneignung des Mehrwerts ausgebeutet werden. Und die Lohn-, Lebens- und Arbeitsbedingungen eines Verkäufers können durchaus schlechter sein als die eines Fabrikarbeiters. Um Missverständnisse zu vermeiden, ist es, trotz der ökonomistisch angehauchten Diskussionen der Vergangenheit wichtig, darauf hinzuweisen, dass aus Sicht politischer Subjektivierungsprozesse, die Unterscheidung zwischen produktiven und unproduktiven Arbeiterinnen (im Sinne der Wertschöpfung und des Mehrwerts) nahezu irrelevant ist. Teilweise haben die Mechanismen und Formen der Organisation und Aufteilung des Arbeitsprozesses einen weitaus größeren Einfluss. Kommen wir nun zur Theorie des dualen Systems und zum Problem des Patriarchats zurück.

Das erste Problem.

Wenn das Patriarchat als ein System der Ausbeutung definiert wird, ist die logische Konsequenz daraus, dass es eine ausbeutende und eine ausgebeutete Klasse gibt, oder, um die Idee besser und präziser zu formulieren: eine Klasse der Enteigner und eine enteignete Klasse. Welche Menschen bilden diese Klassen? Die Antworten könnten lauten: von allen Frauen und allen Männer, oder nur von einigen Frauen und einigen Männern (wie z. B. die bereits erwähnten Soziologin und Feministin Christine Delphy postulierte: Hausfrauen und die erwachsenen männlichen Mitglieder ihrer Familien). Wenn wir von Patriarchat als System der allgemeinen Ausbeutung sprechen, dann können wir davon ausgehen, dass der Ausbeuter oder Aneigner der Staat ist. Operaistische Feministinnen haben hingegen den Begriff der kapitalistischen Ausbeutung auf die Hausarbeit angewandt, aber ihre Position kann im Rahmen dieses Artikels nicht berücksichtigt werden, denn ihrer Ansicht nach, ist der eigentliche Enteigner der Hausarbeit das Kapital, was wiederum bedeutet, dass das Patriarchat kein autonomes und eigenständiges Ausbeutungssystem ist. Nun, was Delphy angeht, wird die Hypothese, dass Hausfrauen eine Klasse sind, und ihre männlichen Verwandten, und vor allem ihre Ehemänner, die Ausbeuterklasse, nicht nur vollends ausformuliert, sondern mit all ihren extremen Konsequenzen weitergeführt. Auf logischer Ebene würde dies bedeuten, dass die Hausfrau eines Wanderarbeiters zur gleichen Klasse wie die Ex-Frau von Berlusconi, Veronica Lario gehört, denn beide produzieren seit Jahren Gebrauchswerte (in einem Falle einfache Pflegearbeit, im anderen Fall fungiert Lario in ihrer Arbeit als Repräsentantin eines bestimmten sozialen Status und organisiert z. B. Cocktailpartys) und befinden sich in einem Ausbeutungsverhältnis sklavischer Natur, d. h. sie bieten ihre Arbeit im Austausch für den Unterhalt durch den Ehemann an. Im Artikel Hauptfeind besteht Delphy auch darauf, dass die Zugehörigkeit zur patriarchalischen Klasse relevanter ist als die Zugehörigkeit zur Kapitalistenklasse.

Das bedeutet, dass die Solidarität zwischen Veronica Lario und der Hausfrau eines Wanderarbeiters, Vorrang vor der Klassensolidarität zwischen der Frau des Wanderarbeiters und ihrem Mann oder anderen Mitgliedern der Arbeiterklasse haben sollte (oder, übertrieben gesagt, als die Klassensolidarität zwischen Veronica Lario und ihren Freunden im Golfclub). Delphys politische Praxis stand im Widerspruch zu den logischen Folgen ihrer Überlegungen, was erstere sicherlich viel ansprechender macht als ihre Theorie, die, wie gezeigt, ganz klare analytische Grenzen hat.

Wenn wir darüber hinaus Männer und Frauen als zwei Klassen definieren, wobei die Einen die Ausbeuter, die Anderen die Ausgebeuteten sind, dann müssen wir gezwungenermaßen zum Schluss kommen, dass wir es mit einem antagonistischen Klassenverhältnis zu tun haben, oder anders gesagt, dass wir es mit zwei Klassen zu tun haben, die komplett entgegengesetzte Interessen haben. Wenn jedoch Delphy falsch läge, würde dies bedeuten, dass wir leugnen, dass Männer die unbezahlte Arbeit von Frauen ausnutzen oder davon profitieren? Nein, auch das wäre ein Fehler, der leider von mehreren Marxisten begangen wurde, die diese Argumentation ins Gegenteil verkehrten. Es ist ganz klar, dass es von Vorteil ist, wenn man jemanden hat, der abends eine warme Mahlzeit zubereitet, und es ist angenehmer, nach einem Arbeitstag, den Abwasch nicht selbst erledigen zu müssen.

Es ist in diesem Sinne nachvollziehbar, dass viele Männer an diesem Privileg festhalten wollen. Kurz gesagt, es kann nicht geleugnet werden, dass es geschlechtsspezifische Herrschaftsverhältnisse und soziale Hierarchien gibt und dass Männer, auch der subalternen Klassen, davon profitieren. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es sich dabei um eine Art Klassenantagonismus handelt.

Eine weitere Hypothese könnte aufgestellt werden: In kapitalistischen Gesellschaften determiniert die vollständige oder teilweise Verlagerung der Pflegearbeit ins Private, d. h. die Konzentrierung der Pflegearbeit in der Sphäre der Familie (gleich welcher Art diese Familie ist, einschließlich der Familie mit nur einem Elternteil), wie auch das Fehlen einer groß angelegten Kollektivierung der Pflegearbeit durch den Sozialstaat oder anderen Formen, die Arbeitsbelastung, die privat, außerhalb des Marktes und außerhalb der Institutionen, durchgeführt werden muss. Die geschlechtsspezifischen Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse bestimmen in dieser Hinsicht, wie diese Arbeit verteilt wird, was zu einer ungleichen Verteilung führt: Frauen arbeiten mehr und Männer weniger. Aber deswegen gibt es noch lange nicht eine Aneignung eines Mehrwerts.

Gibt es einen Beweis dafür? Machen wir ein kleines Gedankenexperiment. Aus der Sicht eines Mannes ließe sich sagen, dass er, was die Arbeitsbelastung angeht, nichts verlöre, wenn die Pflegearbeit vollständig kollektiviert würde, anstatt dass sie in der Verantwortung seiner Frau läge. Einfach gesagt, haben Männer und Frauen strukturell gesehen längerfristig keine antagonistischen und unvereinbaren Interessen. Das bedeutet natürlich nicht, dass sich jeder Mann dessen bewusst ist. Es kann durchaus sein, dass ein Mann so fest in eine sexistische Kultur eingegliedert ist, dass er eine Form von Narzissmus entwickelt hat, die auf der Idee einer angeblichen männlichen Überlegenheit basiert, was dazu führen könnte, dass er sich jedem Versuch widersetzt, die Pflegearbeit zu Kollektivieren oder die Emanzipation der Frauen voranzutreiben. Der Kapitalist hingegen hat bei der Kollektivierung der Produktionsmittel sehr wohl etwas zu verlieren und zwar viel mehr als seine Überzeugungen über das Funktionieren der Welt und seinem Platz in derselben, sondern viel schlimmer: Er verliert all die Gewinne, die er sich durch die Ausbeutung der Arbeiter und Arbeiterinnen und der damit einhergehenden Aneignung des Mehrwerts gesichert hatte.

Zweites Problem

Diejenigen, die darauf bestehen, dass das Patriarchat heutzutage, innerhalb fortgeschrittener kapitalistischer Gesellschaften, ein unabhängiges System bilde, stehen vor dem Problem, erklären zu müssen, was die treibende Kraft desselben ist: Warum reproduziert sich das Patriarchat kontinuierlich? Warum bleibt es bestehen? Wenn es sich um ein unabhängiges System handelt, muss der Grund systemimmanent sein. Der Kapitalismus zum Beispiel ist eine Produktionsweise und ein System sozialer Beziehungen, dessen Logik identifiziert und erkannt werden kann: Laut Marx ist dies die Verwertung des Werts. Mit dieser Feststellung ist natürlich noch nicht alles gesagt, was es über den Kapitalismus zu sagen gibt, denn es genügt auch nicht, die Anatomie des Herzens zu erklären, um die Anatomie des gesamten menschlichen Körpers zu verstehen. Der Kapitalismus beinhaltet eine Reihe komplexer Prozesse und Beziehungen. Allerdings ist es aus meiner Sicht fundamental und sogar eine analytische Notwendigkeit, zu verstehen, was sein Herz ist und wie es funktioniert. Wo patriarchalische Beziehungen eine direkte Rolle bei der Organisation von Produktionsverhältnissen spielen (wer produziert, wie, wer eignet sich was an und wie, wie ist Reproduktion der Produktionsbedingungen organisiert usw.), ist die Identifizierung des Kerns des patriarchalischen Systems relativ einfach. Dies ist beispielsweise bei traditionellen landwirtschaftlichen Betriebe der Fall, wo die patriarchalische Familie zugleich eine Produktionseinheit ist. In kapitalistischen Gesellschaften jedoch ist das ganze nicht so einfach, denn patriarchalische Beziehungen organisieren nicht direkt die Produktion, viel eher spielen sie eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Arbeitsteilung und verbannen die Familie in den privaten und reproduktiven Bereich. Folgten wir an dieser Stelle der Argumentation Delphys, oder vieler anderer feministischen Materialistinnen, und identifizierten das moderne Patriarchat als eine spezifische Produktionsform, oder zumindest als eine Ansammlung ausbeuterischer Beziehungen, kämen wir wieder zum ersten Problem, das ich erläutert habe.

Eine weitere Hypothese, die in der Vergangenheit aufgestellt wurde, lautet, dass das Patriarchat ein unabhängiges ideologisches System sei, dessen Kern im Prozess der Erzeugung von Bedeutungen und Interpretationen der Welt liege. Doch hier tauchen andere Probleme auf: Wenn die Ideologie die Art und Weise ist, wie wir unsere Existenzbedingungen und unsere Beziehung innerhalb derselben interpretieren, sollte es eine Relation zwischen der Ideologie und den sozialen Existenzbedingungen geben. Selbstverständlich verläuft diese Relation nicht automatisch, mechanisch oder unidirektional. Und doch muss es eine Art Beziehung zwischen Ideologie und den sozialen Existenzbedingungen geben, sonst besteht die Gefahr, in eine fetischistische und antihistorische Vorstellung von Kultur und Ideologie zu fallen. Das patriarchalische System, als ideologisches System zu verstehen, das, trotz enormer Veränderungen im Leben und in den sozialen Beziehungen, die der Kapitalismus in den letzten zwei Jahrhunderten eingeführt hat, sich ständig autonom reproduziert, erscheint mir nicht überzeugend. Eine weitere Hypothese hingegen, besagt, dass der Motor des patriarchalischen Systems psychologisch sei, aber selbst in diesem Fall riskieren wir, in eine fetischistischen und antihistorischen Auffassung der menschlichen Psyche zu fallen.

Letztes Problem

Auch wenn wir für einen Moment annehmen, dass Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus tatsächlich drei unabhängige und miteinander verflochtene Systeme sind, die sich gegenseitig stärken, stellt sich dennoch erneut die Frage, nach dem Organisationsprinzip, bzw. der Logik dieser „heiligen Allianz“. In Kergoats Texten zum Beispiel, bleibt die Definition dieser Dreiecksbeziehung, im Hinblick auf die Wesensgleichheit dieser Systeme, rein deskriptiv. Darum kann ihre Definition nicht viel erklären, so dass die Ursachen für die Verflechtung dieser drei Ausbeutungs- und Herrschaftssysteme ein Geheimnis bleiben, genau wie die drei Personen der christlichen Trinität.

Trotz dieser Probleme bleiben für viele moderne feministische Theorien, die dual und triple system Theorien, mitsamt ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, als implizite Prämissen bestehen. Der Grund dafür ist, meiner Meinung nach, dass diese Theorien zu den intuitivsten und unmittelbarsten Erklärungen gehören. Mit anderen Worten, es ist sind Erklärungsformen, die die Realität so darstellen, wie sie unmittelbar wahrgenommen wird. Es ist offensichtlich, dass die gegenwärtigen sozialen Beziehungen von geschlechtsspezifischen und rassistischen Herrschaftsverhältnissen und Hierarchien bestimmt werden, die die gesamte Gesellschaft und den Alltag durchdringen. Intuitiv ließe sich das dadurch erklären, dass diese Verhältnisse unterschiedlichen spezifischen Systemen entsprechen. Dies scheint, aufgrund der Art und Weise, wie sich diese Herrschaftsverhältnisse manifestieren, plausibel. Doch die intuitivsten Erklärungen sind nicht unbedingt die richtigen.

Auch wenn die Hauptprämissen der dual und triple system theory nicht überzeugen, bedeutet dies nicht, dass es nichts von diesen Varianten des materialistischen Feminismus zu lernen gibt. Im Gegenteil, die Texte von Delphy und anderen materialistischen Feministinnen, enthalten Erkenntnisse und Vorschläge, die von grundlegender Bedeutung sind: Von der Problematisierung der gegenwärtigen Auffassung von Geschlecht, bis hin zur ausgeprägten Aufmerksamkeit gegenüber der Verflechtung zwischen Rassismus und Sexismus.

In der italienischen Debatte haben einige feministische Theoretikerinnen, die sich auf den materialistischen Feminismus aus Frankreich beziehen, viel Interessantes geschrieben, z.B. über Frauen und Migration. Sie haben insgesamt ein theoretisches Projekt auf die Beine gestellt, das viel weiter geht, als der Differenzfeminismus. Meine Überlegungen sollten daher als ein Diskussionversuch unter Weggefährtinnen verstanden werden, die trotz einiger Unterschiede, viel gemeinsam haben.

Ist der Kapitalismus an allem Schuld?

Im letzten Abschnitt erwähnte ich bereits, dass die Auffassung des Patriarchats als ein unabhängiges System innerhalb kapitalistischer Gesellschaften, nicht nur unter Theoretikerinnen, sondern auch unter feministischen Aktivistinnen am weitesten verbreitet ist, weil es letztlich die intuitivste und unmittelbarste Interpretation all jener geschlechtsspezifischen Macht- und Unterdrückungsmechanismen ist, die wir jeden Tag erleben. Anders gesagt: Es handelt sich um eine Interpretation, die die Realität so darlegt, wie sie sich unmittelbar manifestiert. Mit "manifestiert" ist nicht eine bloße Erscheinung oder eine Illusion gemeint, die als Gegenpol zur Realität besteht, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die vom und im Kapital erzeugten und reproduzierten Herrschafts- und Entfremdungsbeziehungen, aufgrund ihrer eigenen Logik, erlebt werden. Wie Daniel Bensaïd schreibt, ist die Kritik der politischen Ökonomie in erster Linie die Kritik des ökonomischen Fetischismus und seiner Ideologie, die uns dazu verdammt, im Schatten des Kapitals zu denken. Kurz gesagt, es geht nicht um ein falsches Bewusstsein, sondern um einen, vom Kapital selbst bestimmten Erfahrungsmodus: den Modus der fragmentierten Wahrnehmung. Es ist ein komplexer Diskurs, aber um eine Vorstellung davon zu bekommen, was ich mit dem vom Kapital bestimmten Erfahrungsmodus meine, kann man einen Blick auf den Absatz über den Fetischcharakter der Waren, im ersten Buch von Marxens Das Kapital, werfen.

Gerade weil unsere Wahrnehmung fragmentiert ist, wird die Gesamtheit der patriarchalischen Verhältnissen, von denjenigen die eine Sensibilität für Geschlechterfragen entwickelt haben, so erlebt und wahrgenommen, als seien sie unabhängig und getrennt vom Kapital getrennt sind. Doch auch die Kritik der Auffassung des Patriarchats als ein unabhängiges System innerhalb kapitalistischer Gesellschaften, stößt zwangsläufig auf eine Reihe von Einwänden und Problemen.

Der häufigste Einwand hat eine historischen Dimension: Wie kann behaupten werden, dass das Patriarchat kein unabhängiges System ist, wenn die Unterdrückung der Frauen schon lange vor dem Kapitalismus existierte? Doch zu sagen, dass in kapitalistischen Gesellschaften die Unterdrückung der Frauen und sexistische Machtverhältnisse eine notwendige Folge des Kapitalismus sind und keine eigene unabhängige Logik mehr haben, ist nicht dasselbe, wie wie zu behaupten, dass die Unterdrückung der Frauen erst mit dem Kapitalismus entstand.

Vielmehr geht es um etwas anderes, das mit einigen Merkmalen des Kapitalismus zu tun hat. Die Gesellschaftsformationen, die durch die kapitalistische Produktionsweise letzten Endes verdrängt wurden, erlebten mit dem Aufkommen des Kapitalismus eine tiefgreifende und radikale Veränderung der Familie. Dies ist vor allem auf die Landenteignungen bzw. auf die ursprüngliche Akkumulation zurückzuführen, durch die große Bevölkerungsmassen von ihren Produktions- und Existenzmittel (dem Land) getrennt wurden. Das führte einerseits zum Zerfall der patriarchalischen Bauernfamilie und andererseits leitete es einen beispiellosen Prozess der Urbanisierung ein. Infolgedessen hörte die Familie auf, eine Produktionseinheit mit einer spezifischen Funktion zu sein, deren Organisation im Allgemeinen durch patriarchalische Beziehungen gekennzeichnet war, die in vorkapitalistischen Gesellschaften vorherrschten. Dieser Prozess hat in allen Ländern, in denen sich der kapitalistische Produktionsmodus etabliert hat, in unterschiedlicher Form und zu unterschiedlichen Zeiten stattgefunden. Mit der Trennung zwischen Familie und Produktionsort hat sich auch das Verhältnis zwischen Produktion und Reproduktion (verstanden als biologische, generationsbezogene und soziale Reproduktion) grundlegend verändert. Darüber werde ich später mehr sagen. Wichtig ist bis hierhin Folgendes: Auch wenn die geschlechtsspezifischen Herrschaftsverhältnisse weiterexistierten, hörten sie auf, ein unabhängiges System mit eigener Logik zu sein, weil die Familie nicht mehr einer Produktionseinheit entsprach, sondern zu einem privaten Gebilde außerhalb der Sphäre der Produktion und des Marktes wurde. Durch diesen Prozess erlebten auch die geschlechtsspezifischen Herrschaftsverhältnisse einen grundlegenden Wandel. So ist beispielsweise eine dieser Veränderungen direkt mit dem Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung, sexueller Identität und Geschlecht verbunden (siehe Foucaults Studien zur Geschichte der Sexualität, Butlers Werke oder die jüngsten Schriften von Kevin Floyd und Rosemary Hennessy). Wenn es also wahr ist, dass es die Geschlechterunterdrückung lange vor dem Aufkommen des Kapitalismus gab, bedeutet das nicht, dass die spezifischen Formen, welche die Geschlechterunterdrückung im Kapitalismus annimmt, dieselben sind, wie in vorkapitalistischen Gesellschaften. Des Weiteren sollte auch die Idee, dass die Geschlechterunterdrückung ein universelles und transhistorisches Faktum darstelle, die von vielen Feministinnen der zweiten Welle stark bekräftigt wurde, im Lichte der jüngsten anthropologischen Forschung, in Frage gestellt werden. Tatsächlich existiert die Unterdrückung der Frauen nicht seit jeher, sie wurde z. B. in vielen klassenlosen Gesellschaften erst durch den Kolonialismus eingeführt. Um ein klareres Bild über die Beziehung zwischen Klassenverhältnissen und geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen zu bekommen, werde ich im Folgenden, die Sklaverei in den Vereinigten Staaten aufgreifen.

In ihrem wunderschönen Buch Women, Race and Class weist Angela Davis darauf hin, dass die Zerstörung der Familie und jeder Verwandtschaft zwischen afroamerikanischen Sklaven, wie auch die spezifische Form der Sklavenarbeit, zu einer grundsätzlichen Veränderung der geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen führte. Das bedeutet nicht, dass die Frauen bzw. Sklavinnen keine geschlechtsspezifische Unterdrückung erlitten, ganz im Gegenteil, sie wurden aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt, aber nicht von ihren männlichen Mitsklaven, sondern von den weißen Sklavenbesitzern. Mit anderen Worten, die Persistenz und Art und Weise wie sich Geschlechterverhältnissen äußern, steht in einem komplexen Zusammenhang mit den sozialen Existenzbedingungen, den Klassenverhältnissen und dem Verhältnis zwischen Produktion und Reproduktion. Eine transhistorische und abstrakte Vorstellung der Unterdrückung der Frauen ist weder in der Lage, dies zu erfassen, noch zu erklären.

Wie ich bereits erwähnte, haben in Ländern, in denen der kapitalistische Produktionsmodus die vorherigen Produktionsmodi verdrängte und dadurch die Familie und ihre Rolle radikal veränderte, die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern aufgehört, ein unabhängiges System zu bilden. Dies gilt natürlich nicht für Länder, in denen die Produktionsstruktur nicht vollständig im kapitalistischen Sinne umgekrempelt wurde und die sich weiterhin am Rande der globalen kapitalistischen Wirtschaft befinden. Tatsächlich existieren im globalen Kapitalismus Gesellschaften nebeneinander, in denen sich der kapitalistische Produktionsmodus voll entwickelt hat und Gesellschaften, die sozusagen weitgehend "vorkapitalistisch" bleiben. Claude Meillassoux betonte in diesem Zusammenhang, dass in mehreren afrikanischen Ländern, in denen der Prozess der Proletarisierung (d.h. die Trennung der Bauern von ihrem Land) sehr begrenzt blieb, weiterhin eine heimische Produktionsweise fortbesteht. Hier müssen wir jedoch die Bedeutung von "vorkapitalistisch" verstehen. In der Tat, selbst wenn die inländische Produktionsweise bestehen blieb, stand sie unter dem Druck der globalen kapitalistischen Wirtschaft. Die Auswüchse des Kolonialismus, des Imperialismus, des Raubs natürlicher Ressourcen durch fortgeschrittene kapitalistische Länder, des objektiven Drucks der Weltmarktwirtschaft usw. hatten erhebliche Auswirkungen auf die sozialen und familiären Beziehungen, die die Produktion und Verteilung von Gütern organisierten, und verschärften oft die Ausbeutung der Frauen und die geschlechtsspezifische Gewalt.

Kehren wir nun zu den Ländern des fortgeschrittenen Kapitalismus zurück. Ein klassischer Einwand gegen die These, das Patriarchat sei in fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern kein unabhängiges System mehr, ist, dass der marxistische Feminismus, der diese These unterstützt, grundsätzlich reduktionistisch sei. Mit anderen Worten, er tendiere dazu, die Komplexität des Sozialen auf rein wirtschaftliche Faktoren zu reduzieren, ohne die Unreduzierbarkeit der verschiedenen Machtverhältnisse zu berücksichtigen. Nun, dieser Einwand wäre nur unter zwei Bedingungen sinnvoll: Erstens, wenn der Kapitalismus streng ökonomisch als Prozess der Erpressung des Mehrwerts und die ihn bestimmenden Wirtschaftsgesetze aufgefasst würde und, zweitens, die Machtverhältnisse als mechanisches und automatisches Ergebnis ebenjenes Prozesses verstanden würden. Die Wahrheit ist, dass nur der orthodoxe oder vulgäre Marxismus diese Art von Reduktionismus betreibt, der weder der Vielfalt noch der Komplexität von Marx’ Denken gerecht wird, geschweige denn dem außerordentlichen Scharfsinn der Mehrheit der marxistischen theoretischen Tradition. Wenn man nur anhand der Aneignung des Mehrwerts im Bereich der Produktion versucht den Kapitalismus zu erklären, ist es wie ich bereits erwähnte so, als würde man die Anatomie des gesamten menschlichen Körpers nur anhand des Herzens erklären. Der Kapitalismus ist ein widersprüchliches, vielfältiges Ganzes, innerhalb dessen die Ausbeutungs-, Herrschafts- und Entfremdungsverhältnisse in ständiger Bewegung und Veränderung sind. Obwohl im ersten Band vom Kapital Marx der Verwertung des Werts einen scheinbar automatischen und eigenständigen Charakter zuschreibt, während einzelne Kapitalisten auf ihre Rolle im strukturellen Ganzen reduziert werden, existiert "Monsieur le Capital" in Wirklichkeit nicht, außer als logische Kategorie. Dies wird vor allem im dritten Band deutlich. Der Kapitalismus ist kein Moloch, er ist kein verborgener Gott, ein Puppenspieler oder eine Maschine, er ist eine lebendige Totalität sozialer Beziehungen, in dem die Klassenbeziehungen allen anderen Beziehungen bestimmte Schranken auferlegen und begrenzen. Dazu gehören auch Machtverhältnisse in Bezug auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, "Rasse", Nationalität und Religion, die alle in den Dienst der Akkumulation des Kapitals und seiner Vermehrung gestellt werden, oft durch widersprüchliche, inkohärente und variable Prozesse.
Ein gleichgültiger Kapitalismus?

Unter marxistischen Theoretikern gibt es die weit verbreitete Ansicht, die Geschlechterunterdrückung als unnötig oder ergänzend zum Kapitalismus betrachtet. Das heißt nicht, dass der Kapitalismus die Formen der Geschlechterungleichheit, die durch frühere soziale Konfigurationen etabliert wurden, nicht ausnutzt oder nutzt. Vielmehr hat der Kapitalismus angeblich eine opportunistische Beziehung zu der Geschlechterunterdrückung. Denn er ist nicht dazu gezwungen die Geschlechterunterdrückung gezielt zu nutzen, und was die Frauen angeht, so haben sie, laut einigen Theoretikern, unter dem Kapitalismus ein Maß an Freiheit und Emanzipation erreicht, das in anderen historischen Epochen nicht vorhanden war. Zusammenfassend: Frauenbefreiung und Kapitalismus stehen in keiner antagonistischen Beziehung.

Diese Position ist bei marxistischen Theoretikern aus den verschiedensten Denkschulen so beliebt, dass es sich lohnt, sie auf der Grundlage eines Artikels einer der intelligentesten und interessantesten marxistischen Theoretikerinnen der letzten Jahrzehnte, Ellen Meiksins Wood, zu analysieren. Letztere ist zusammen mit Robert Brenner, eine der größten Vertreterinnen dessen, was allgemein - in etwas pleonastischer Weise - als "politischer Marxismus" bezeichnet wird. Der begriff bezeichnet die antideterministische Tendenz innerhalb des Marxismus, die den Klassenkampf dem Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsbeziehungen, als erklärenden Schlüssel für den Übergang von einer Produktionsweise zur nächsten, vorzieht.

In ihrem Artikel "Capitalism and Human Emancipation: Race, Gender, and Democracy" (in "The Socialist Feminist Project", hrsg. von Nancy Holmstrom, 2002) erklärt Meiksins Wood zunächst die grundlegenden Unterschiede zwischen Kapitalismus und vorkapitalistischen Produktionsweisen. Der Kapitalismus sei nicht immanent mit bestimmten Identitäten, Ungleichheiten oder außerökonomischen, politischen oder rechtlichen Unterschiede verbunden. Im Gegenteil, die Aneignung des Mehrwerts finde zwischen formal freien und gleichberechtigten Personen statt und setze keine Unterschiede im rechtlichen oder politischen Status voraus. Der Kapitalismus sei daher strukturell nicht auf die Schaffung von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern ausgerichtet, sondern hat im Gegenteil die natürliche Tendenz, solche Unterschiede (z.B. Sexismus und Rassismus) in Frage zu stellen. Darüber hinaus habe die kapitalistische Entwicklung die sozialen Bedingungen für eine Kritik und einen sozialen Druck gegen diese Ungleichheiten geschaffen, die es in anderen historischen Epochen so nicht gegeben habe (in der gesamten griechisch-römischen Literatur beispielsweise, gab es sowohl in philosophischen als auch in historischen Texten, trotz des massiven Einsatzes von Sklaven für produktive Zwecke, fast keine abolitionistische Positionen). Gleichzeitig neige der Kapitalismus dazu, bereits bestehende Unterschiede und Ungleichheiten, opportunistisch zu nutzen. So würden beispielsweise ethnische Unterschiede oder solche aufgrund des Geschlechts im Kapitalismus dazu verwendet, um Hierarchien zwischen den am meisten und den am wenigsten benachteiligten Sektoren der Klasse zu schaffen. Diese Ungleichheiten und Hierarchien werden im selben Zug naturalisiert, so dass das Wesentliche der Hierarchien und Ungleichheiten, also die Logik des kapitalistischen Wettbewerbs, außer Acht gerate. All dies sei natürlich kein bewusster Plan des Kapitals, sondern entstehe aus dem Zusammenspiel einer Reihe sozialer und politischer Praktiken, die sich verfestigt hätten, weil z. B. Sexismus und Rassismus, aus Sicht der einzelnen Kapitalisten, tatsächlich von Vorteil sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kapitalismus die Geschlechterunterdrückung nutzt und ausnutzt, aber er kann durchaus auch ohne sie überleben. Ohne Klassenausbeutung könnte der Kapitalismus jedoch nicht existieren.

Es ist an diesem Punkt wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass sich der Artikel Wood’s um eine Reihe grundlegender politischer Fragen dreht. Vor allem die Frage, welche Arten von außerökonomischen Vorteile und Nutzen in einer kapitalistischen Gesellschaft erreicht werden können und welche nicht (zum Beispiel die ökologische Erhaltung des Planeten) steht dabei im Zentrum. Ausgangspunkt ist die Beobachtung einer Verschiebung der Aufmerksamkeit von den sozialen Kämpfe, also vom ökonomischen Bereich, hin zu außerökonomischen Bereichen (Geschlechteremanzipation, Antirassismus, Frieden, ökologische Kämpfe, global citizenship usw.). Und genau hier liegt das Problem des Artikels. Wenn ich die Fragen erwähnte, um die der Artikel Meiksins Wood kreist, dann nicht, um Pedanterie zu betreiben, sondern weil der Artikel einerseits auf einer impliziten klaren - und ziemlich fragwürdigen - Trennung zwischen der logischen Struktur des Kapitals und seiner historischen Dimension basiert, und andererseits, nachdem diese Unterscheidung getroffen wurde, beide Ebenen durcheinander bringt und so eine klassische Verwirrung reproduziert, die leider viele der marxistischen Theoretiker vereint, die sich der These des Artikels anschließen würden.

Anders gesagt: Sobald eine klare Unterscheidung zwischen der logischen Struktur des Kapitals und der historischen Dimension akzeptiert wird, kann die These, dass die Aneignung des Mehrwerts zwischen formal freien und gleichberechtigten Individuen stattfinde und keine Unterschiede im rechtlichen oder politischen Status voraussetze und dass der Kapitalismus von Natur aus gleichgültig gegenüber Unterschieden im politischen oder rechtlichen Status sei, nur auf einem ziemlich hohen Abstraktionsgrad aufrechterhalten werden. Besser gesagt, sie kann nur aufrecht erhalten werden, wenn man sich bloß auf die logische Struktur des Kapitalismus bezieht. Historisch gesehen sieht das Ganze komplett anders aus. Gehen wir dies, um Klarheit zu bewahren, Punkt für Punkt durch.

1. Gehen wir von einer Tatsache aus: Es hat noch nie eine kapitalistische Gesellschaft ohne Geschlechterunterdrückung (egal in welcher Form) gegeben. Dass sich der Kapitalismus lediglich darauf beschränkt hat, bereits bestehende Ungleichheiten zu nutzen, ist zudem fraglich, denn Kolonialismus und Imperialismus haben wesentlich zur Einführung von Geschlechterhierarchien in Gesellschaften beigetragen, in denen es sie entweder gar nicht gab oder nicht in derselben Dimension gab wie im Kapitalismus: Der Prozess der kapitalistischen Akkumulation wurde von einer gewaltigen Enteignung der Frauen im Hinblick auf Eigentumsformen, zu denen sie Zugang hatten, wie auch von dem Ausschluss der Frauen aus den Berufen begleitet, zu denen sie im frühen Mittelalter noch das Recht hatten, sie auszuüben (siehe in diesem Zusammenhang das Buch von Silvia Federici, "Caliban und die Hexe"); der Wechsel von Feminisierungs- und Defeminisierungsprozessen der Arbeit trägt zur kontinuierlichen Rekonfiguration der Familienbeziehungen bei und schafft neue Formen geschlechtsspezifischer Unterdrückung; die Verdinglichung sexueller Identitäten seit Ende des 19. Jahrhunderts hat dazu beigetragen, eine heteronormative Matrix mit weiteren bedrückenden Folgen für Frauen zu zementieren. Diese Liste könnte fortgesetzt werden. Die Bemerkung, dass Frauen nur im Kapitalismus formale Freiheiten und politische Rechte hätten erlangen können, die bisher unvorstellbar gewesen seien, gerade weil der Kapitalismus die sozialen Bedingungen für diesen Prozess der Emanzipation geschaffen habe, ist weder ein stichhaltiges Argument, noch ändert es etwas an der Tatsache, dass es noch nie eine kapitalistische Gesellschaft ohne Geschlechterunterdrückung gegeben hat. Dasselbe könnte man in der Tat für die Arbeiterklasse als Ganzes sagen: Nur im Kapitalismus sind die Voraussetzungen für eine massenhafte politische Emanzipation der unterdrückten Klasse gegeben, d. h. die Voraussetzungen für die Klasse, zu einem politischen Subjekt zu werden, das in der Lage ist, bedeutende demokratische Errungenschaften zu erkämpfen. Und nun? Zeigt das, dass der Kapitalismus ohne Ausbeutung auskommen könnte? Ich glaube nicht.
Es wäre daher sinnvoll, den Hinweis auf das, was Frauen erreicht haben oder nicht erreicht haben, beiseite zu lassen: Dass Frauen etwas erreicht haben, liegt daran, dass sie gekämpft haben und dass der Kapitalismus die sozialen Bedingungen für die Geburt der großen modernen sozialen und politischen Bewegungen geschaffen hat. Aber das gilt ebenso für die Arbeiterklasse.

2. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was für das Funktionieren des Kapitalismus wichtig ist, und dem, was eine notwendige Konsequenz der kapitalistischen Funktionsweise ist. Auf einem hohen Abstraktionsgrad ist es sehr schwierig zu zeigen, dass Geschlechterunterdrückung für das Funktionieren des Kapitalismus notwendig ist. Es ist wahr, dass der kapitalistische Wettbewerb kontinuierlich Unterschiede und Ungleichheiten schafft, aber diese Ungleichheiten müssen, auf rein abstrakter Ebene, nicht unbedingt geschlechtsspezifische Ungleichheiten sein. Meiksins Wood hätte dann womöglich recht, wenn man ein Gedankenexperiment macht und versucht an einen "reinen" Kapitalismus zu denken, der nur im Hinblick auf seine wesentlichen Mechanismen analysiert wird. Dies zeigt jedoch nicht, dass der Kapitalismus in seinem konkreten Funktionieren nicht als notwendige und "natürliche" Konsequenz die ständige, oft in verschiedenen Formen erfolgende Reproduktion der Geschlechterunterdrückung in sich inne trägt. Dazu werde ich später was sagen, wenn ich die sozialen Reproduktion thematisiere.

3. Kommen wir nun auf die Unterscheidung zwischen der analytischen und der historischen Ebene zurück. Was auf einer rein analytischen und abstrakten Ebene möglich ist und was historisch möglich ist, sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Der Kapitalismus existiert immer in konkreten sozialen Formationen mit einer eigenen spezifischen Geschichte. Wie ich bereits sagte, waren diese sozialen Formationen immer durch eine konstante und hartnäckige Präsenz der Geschlechterunterdrückung gekennzeichnet. Nehmen wir nun an, dass wir uns auf einer rein abstrakten Ebene vorstellen, dass die Hierarchien innerhalb der Arbeitsteilung durch andere Formen der Ungleichheit bestimmt werden. (Oben und unten? Alt und jung? Dünn und dick? Diejenigen, die eine indoeuropäische Sprachen sprechen vs. alle anderen?) Gehen wir zusätzlich davon aus, dass Schwangerschaften und Geburten vollständig mechanisiert werden könnten und dass die gesamte Sphäre der emotionalen Beziehungen durch private Dienste kommerzialisiert und verwaltet werden könnte.

Ist all dies aus historischer Sicht plausibel? Kann die Geschlechterunterdrückung so leicht durch andere Arten von hierarchischen Beziehungen ersetzt werden, die "natürlich" erscheinen, und gleichermaßen die Psyche und die Subjektkonstituierungsprozesse prägen? Einige Zweifel sind hier mehr als berechtigt. Abschließend lässt sich sagen, dass die Frage nach der Emanzipation und Befreiung der Frauen innerhalb des Kapitalismus, nicht abstrakt, sondern konkret historisch-analytisch beantwortet werden muss. Hier liegt der Fehler, und zwar nicht nur von Meiksins Wood, sondern auch von vielen Marxisten, die von einer Hierarchie zwischen Ausbeutung (primäres Problem) und Unterdrückung (sekundäres Problem) ausgehen. Wenn wir uns Fragen politischer Natur stellen und versuchen, Antworten zu geben, müssen wir dies innerhalb eines historisches Verständnisses des Kapitalismus tun. Dies ist einer der Ausgangspunkte des marxistischen Feminismus, bei dem der Begriff der sozialen Reproduktion eine zentrale Rolle spielt.

Das Kapital überdenken, um das Geschlecht zu überdenken

Ich habe bislang versucht, die Grenzen eines „fragmentierten Denkens“ zu klären, das die verschiedenen Formen von Unterdrückung und Herrschaft wahrnimmt, ohne ihre innere Einheit zu erfassen, so dass jede dieser Formen letzten Endes als autonomes und eigenständiges System verstanden wird. Darüber hinaus habe ich eine Lesart des Verhältnisses zwischen Kapitalismus und Geschlechterunterdrückung kritisiert, die auf der Idee des "indifferenten Kapitalismus" basiert. Nun ist es an der Zeit, sich mit der so genannten "einheitlichen Theorie" bzw. der „unitary theory“ und dem Begriff der sozialen Reproduktion zu befassen.

Das Kapital neu konzeptualisieren

Wie ich bereits erläutert habe, gehen dualistische Positionen im Allgemeinen von der Annahme aus, dass die marxsche Kritik der politischen Ökonomie die ökonomischen Gesetze des Kapitals durch rein ökonomische Kategorien analysiere, die nicht ausreichten, um komplexe Phänomene wie die Vielfalt der Machtverhältnisse und diskursiven Praktiken zu verstehen, die uns als Subjekte ausmachen. Dies ist der Grund, warum alternative epistemologische Ansätze, die in der Lage sind, nicht wirtschaftliche Ursachen zu erfassen, als angemessener angesehen werden, um die spezifischen Formen dieser sozialen Beziehungen zu verstehen. Diese Annahme haben viele feministische Theorien gemeinsam. Einige dieser Theorien haben vorgeschlagen, dass wir eine "Ehe" oder eine eklektische Kombination verschiedener Arten von Kritik brauchen: Eine, die auf die reinen Wirtschaftsgesetze der kapitalistischen Akkumulation abzielt, eine andere, die andere Formen sozialer Beziehungen analysiert. Andere hingegen haben sich darauf beschränkt, den so genannten linguistischen Wandel in der feministischen Theorie anzunehmen und die Kritik der Geschlechterunterdrückung von der des Kapitalismus zu lösen. In beiden Fällen wird davon ausgegangen, dass "reine Wirtschaftsgesetze" unabhängig von spezifischen Herrschafts- und Entfremdungsbeziehungen existieren. Das ist genau die Annahme, die in Frage gestellt werden muss. Aus Platzgründen werde ich mich darauf beschränken, zwei Aspekte der marxistischen Kritik der politischen Ökonomie hervorzuheben.

1. Ausbeutungsverhältnisse sind immer an Dominanz- und Entfremdungverhältnissse gebunden. Diese drei Verhältnisse sind in der marxistischen Kritik der politischen Ökonomie nie wirklich voneinander getrennt. Die Arbeiterin ist in erster Linie ein lebendiger, denkender Körper, der spezifischen Formen der Disziplin unterliegt, die sowohl sie selbst, als auch ihren Körper verändern. Wie Marx schreibt, produziert der Produktionsprozess nicht nur Arbeiter, sondern auch die kapitalistischen Beziehungen selbst werden konstant produziert und reproduziert. Da jeder Produktionsprozess immer ein konkreter Prozess ist, d.h. ein Prozess, der durch bestimmte historische und geographische Aspekte gekennzeichnet ist, ist es möglich, jeden Produktionsprozess als einen spezifischen Disziplinarprozess zu betrachten, der die Subjektkonstitution der Arbeiter prägt. Gleiches gilt für den Warenkonsum: Wie Kevin Floyd in seiner Analyse der Konstituierung sexueller Identitäten feststellte, hat der Warenkonsum einen disziplinarischen Charakter und formt die sexuelle Identität der Individuen. Daher ist der Warenkonsum Teil der Subjektkonstitution.

2. Für Marx bilden Produktion und Reproduktion eine untrennbare Einheit. Mit anderen Worten, auch wenn Produktion und Reproduktion nicht dasselbe sind und mit je spezifischen Eigenschaften getrennt voneinander in Erscheinung treten, versteht Marx Produktion und Reproduktion notwendigerweise als konkrete Momente eines gegliederten Ganzen. Reproduktion bedeutet hier Reproduktionsprozess einer ganzen Gesellschaft, oder um die althusserische Terminologie zu verwenden, die Reproduktion der Produktionsbedingungen: Bildung, Kulturindustrie, Kirche, Polizei, Armee, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Geschlechterdiskurs und Konsumgewohnheiten..... All diese Aspekte spielen eine entscheidende Rolle in der Reproduktion spezifischer Produktionsbeziehungen. Ohne die Reproduktion der Produktionsverhältnisse, sagt, Althusser in „Ideologie und ideologische Staatsapparate“, gäbe es keine soziale Formation, die auch nur ein Jahr lang überleben könnte. Der Zusammenhang zwischen Produktion und Reproduktion sollte jedoch nicht deterministisch oder mechanisch verstanden werden. Obwohl Marx meiner Meinung nach die kapitalistische Gesellschaft als Totalität betrachtet, betrachtet er sie nicht als eine expressive Totalität, d.h. es gibt keine direkte Kausalität zwischen den verschiedenen Momenten dieser Totalität (Kunst, Kultur, Wirtschaftsstruktur usw.) und ihren jeweiligen Einfluss aufeinander oder zwischen einem einzigen Moment und der Totalität als Ganzes. Abstrahiert hingegen eine Analyse des Kapitalismus von der Einheit von Produktion und Reproduktion, ist sie von einem vulgären Materialismus und Ökonomismus nicht weit entfernt. Aber Marx macht diesen Fehler nicht. Es genügt, sich nicht nur seine politischen Schriften anzusehen, sondern auch Das Kapital selbst, zum Beispiel das Kapitel über den Arbeitstag oder die ursprüngliche Akkumulation, in denen klar wird, dass Zwang, aktive staatliche Intervention und Klassenkampf konstitutive Bestandteile eines Verwertungsverhältnisses sind, das nicht durch rein wirtschaftliche und mechanische Gesetze bestimmt ist. Diese kurzen Bemerkungen dienen dazu, darauf hinzuweisen, dass die Vorstellung, dass Marx den Kapitalismus nur in Form von reinen Wirtschaftsgesetzen verstand, nicht tragbar ist. Das bedeutet nicht, dass es in der marxistischen Tradition keine "vulgären" reduktionistischen oder materialistischen Tendenzen gegeben hat oder gibt. Es bedeutet jedoch, dass sie auf einem grundlegenden Missverständnis über die Natur der marxistischen Kritik der politischen Ökonomie und auf einer Fetischisierung der Wirtschaftsgesetze beruhen, die als statische Entitäten oder als abstrakte Strukturen und nicht als Formen menschlichen Handelns und menschlicher Beziehungen verstanden werden.

Eine alternative und spekulative Hypothese, die von der Trennung zwischen den rein ökonomischen Gesetzen des Kapitals und anderen Herrschaftssystemen ausgeht, besteht darin, die Einheit zwischen Produktion und Reproduktion im Sinne einer direkten/unmittelbaren Identität zu begreifen. Diese Position charakterisiert einen Teil des marxistischen feministischen Denkens, insbesondere jenen operaistischer Herkunft, der darauf besteht, die reproduktive Arbeit als unmittelbar produktive und mehrwerterzeugende zu betrachten, die ähnlichen Gesetzen wie die produktive Arbeit unterliegt. Aus Platzgründen beschränke ich mich hier darauf, kritisch zu betonen, dass eine solche Position meiner Meinung nach einer Form des Reduktionismus gleichkommt, der die Unterschiede zwischen den verschiedenen sozialen Beziehungen verdeckt und uns nicht hilft, die spezifischen Merkmale der unterschiedlichen Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die zwar ständig reproduziert, aber auch transformiert werden. Darüber hinaus sind solche Ansätze nicht hilfreich, um die spezifische Art und Weise zu analysieren, wie bestimmte Machtverhältnisse außerhalb des formalen Arbeitsmarktes wirken, die indirekt vom Markt vermittelt werden: zum Beispiel durch die Disziplinierung in der Sphäre des Warenkonsums oder durch die objektiven Zwänge, die die Erwerbsarbeit (oder ihr Gegenstück: die Arbeitslosigkeit) dem persönlichen Leben und den zwischenmenschlichen Beziehungen auferlegt.
Abschließend möchte ich vorschlagen, die marxistische Kapitalismuskritik als eine Kritik einer zusammenhängenden und widersprüchlichen Totalität von Beziehungen, Ausbeutung, Herrschaft und Entfremdung zu verstehen.
Soziale Reproduktion und „unitary theory“

Im Lichte dieser kurzen methodischen Klarstellung möchte ich nun kurz darauf eingehen, was mit sozialer Reproduktion innerhalb der sogenannten "unitary theory" gemeint ist. In der marxistischen Tradition wird der Begriff "soziale Reproduktion" im Allgemeinen verwendet, um, wie ich bereits erwähnt habe, den Prozess der Reproduktion einer ganzen Gesellschaft zu bezeichnen. Innerhalb des marxistischen Feminismus weist die "soziale Reproduktion" jedoch auf eine engere Sphäre hin: die der Erhaltung und Reproduktion des Lebens, sowohl auf täglicher als auch auf intergenerationeller Ebene. Die soziale Reproduktion bezieht sich in diesem Sinne auf die Art und Weise, wie in einer Gesellschaft die körperliche, geistige und emotionale Arbeit organisiert ist, die für die Reproduktion der Bevölkerung notwendig ist: von der Zubereitung von Nahrung über die Erziehung von Kindern, von der Kranken- und Altenpflege bis hin zur Wohnfrage und der Sexualität. Dieses Konzept der sozialen Reproduktion hat den Vorteil, dass es, im Gegenteil zu vielen früheren Auffassungen der häuslichen Arbeit innerhalb der marxistischen Feminismus, einen erweiterten Blickwinkel hat. Denn die soziale Reproduktion umfasst in der Tat eine Reihe von sozialen Praxen und Formen der Arbeit, die weit über die Hausarbeit hinausgehen. Die „unitary theory“ hat zudem den Vorteil, dass sie die soziale Reproduktionsarbeit auch außerhalb des Hauses ortet, da diese nicht immer gleich durchgeführt wird: Wie viel davon über den Markt, den Sozialstaat oder die familiären Beziehungen gedeckt wird, ist eine Frage, die von der spezifischen historischen Dynamik abhängt, zu der die Kämpfe der Frauen gehören. Durch den Begriff der sozialen Reproduktion ist es beispielsweise möglich, den mobilen und porösen Charakter der Wohnungsmauern genauer zu thematisieren, d.h. das Verhältnis zwischen dem Leben innerhalb des Haushalts einerseits und der Kommodifizierung, der Sexualisierung der Arbeitsteilung und der Politik des Sozialstaates andererseits. Darüber hinaus ermöglicht es uns die Diskussion über die soziale Reproduktion, Phänomene wie das Verhältnis zwischen der Kommerzialisierung der Pflegearbeit und ihrem rassistischen Gehalt, d. h. die repressive Migrationspolitik, die darauf abzielt, die Kosten der migrantischen Arbeit zu senken und die Menschen dazu zwingt zu miserablen Bedingungen zu arbeiten, besser zu analysieren.

Letzten Endes, und das ist der zentrale Punkt, steht die Art und Weise, wie die soziale Reproduktion in einer bestimmten sozialen Formation organisiert ist, in einem immanenten Verhältnis zu der Art und Weise, wie die Produktion und Reproduktion der Gesellschaft als Ganzes organisiert ist, und damit zu den Klassenbeziehungen. Mit anderen Worten, es geht nicht darum, diese Beziehungen als bloße zufällige und kontingente Überschneidungen zu begreifen: Die Rede von der sozialen Reproduktion erlaubt es im Gegenteil, die Logik zu identifizieren, nach der diese Überschneidungen organisiert sind, ohne gleichzeitig die Rolle des Kampfes und im Allgemeinen die der kontingenten Phänomene und Praktiken auszuschließen.

Es gilt auch zu beachten, dass die Sphäre der sozialen Reproduktion entscheidend zur Herausbildung von Subjektivität und damit von Machtverhältnissen beiträgt. Wenn wir die Art der Beziehung berücksichtigen, die in jeder kapitalistischen Gesellschaft zwischen sozialer Reproduktion, Reproduktion der Gesellschaft und Produktionsbeziehungen besteht, lässt sich erkennen, dass die verschiedenen Herrschafts- und Machtverhältnisse keine getrennten Sphären oder Strukturen sind, die sich nach außen überschneiden und die eine lediglich zufällige Beziehung zu den Produktionsverhältnissen haben. Im Gegenteil, die verschiedenen Herrschafts- und Machtverhältnisse erscheinen als konkrete Momente einer widersprüchlichen Einheit: die der kapitalistischen Gesellschaft. Dieser Prozess ist nicht mechanisch und automatisch zu verstehen. Denn das menschliche Handeln sollte nie vergessen werden: Der Kapitalismus ist keine Maschine oder ein Automat, er ist ein soziales Verhältnis und als solcher ist er der Kontingenz, aber auch Unfällen und Konflikten ausgesetzt. Kontingenz und Konflikt schließen jedoch nicht aus, dass es eine Logik gibt, die kapitalistische Akkumulation, die nicht nur unsere Praxis, also das, was wir tun, unsere gelebte Erfahrung, sondern auch die Bedeutungen, die wir produzieren und artikulieren, d. h. die Art und Weise, wie wir uns selbst interpretieren, unsere Beziehungen zu anderen, unsere Position in der Welt und unsere Beziehung zu unseren Lebensbedingungen, objektiv einschränkt.

Die bereits erwähnte "unitary theory" versucht, genau diesen Aspekten gerecht zu werden. Sie versucht geschlechtsspezifische Machtverhältnisse oder solche auf der Grundlage sexueller Orientierung, als konkrete Momente jenes komplexen und widersprüchlichen Ganzen zu verstehen. Auch wenn es unterschiedliche Bereiche gibt, die sicherlich mit ihren eigenen spezifischen Merkmalen ausgestattet sind, von denen einige mit geeigneten und spezifischen Werkzeugen analysiert werden müssen (von der Psychoanalyse bis zur Literaturkritik...), stehen sie dennoch in einem immanenten Verhältnis zum Ganzen, also mit dem Prozess der Reproduktion der Gesellschaft im Lichte der Logik der kapitalistischen Akkumulation.

Die Annahme der "unitary theory" und eines Großteils des marxistischen Feminismus ist daher, dass die Geschlechterunterdrückung, wie auch der Rassismus, nicht als zwei autonome Systeme mit eigenen Ursachen verstanden werden können. Vielmehr sind sie durch einen langen historischen Prozess, der die früherer Formen des gesellschaftlichen Lebens auflöste, zu einem integralen Bestandteil der kapitalistischen Gesellschaft geworden. Unter diesem Gesichtspunkt wäre es ein Fehler, sie als "Relikte" aus früheren sozialen Formationen zu betrachten, die innerhalb kapitalistischer Gesellschaften fortbestehen z. B. durch ihre Einbettung in der menschlichen Psyche oder aufgrund des Antagonismus zwischen sexuellen "Klassen" usw. Es geht hier nicht darum, die psychologische Dimension von Geschlecht und sexueller Unterdrückung oder die Widersprüche zwischen Unterdrückern und Unterdrückten zu unterschätzen. Es geht jedoch darum, die sozialen Bedingungen, sprich die spezifischen Klassenbeziehungen zu analysieren, die sowohl unsere Selbstwahrnehmung als auch unsere Beziehung zu anderen sowie unser Verhalten und unsere Handlungen hervorbringen, reproduzieren und beeinflussen. Dieser Kontext innerhalb dessen sich unsere soziale Praxis bewegt, ist der der Logik der kapitalistischen Akkumulation, die unserer gelebten Erfahrung und der Art und Weise, wie wir sie interpretieren, grundlegende Grenzen und Einschränkungen setzt. Die Tatsache, dass ein Großteil des Feminismus der letzten Jahrzehnte von der Analyse dieser Prozesse und der entscheidenden Rolle des Kapitalismus bei der Reproduktion der Geschlechterunterdrückung und ihrer verschiedenen Formen abstrahieren konnte, sagt viel über die Fähigkeit des Kapitals aus, unsere Ideen zu rekuperieren und unsere Denkweise zu beeinflussen.

Cinzia Arruzza: Verkümmerte Reflexionen. Patriarchat und Kapitalismus.

Weiterlesen

zum Thema Anti-Rassismus:

zum Thema Anti-Sexismus:

zum Thema Anti-Kapitalismus:

zum Thema Feminismus: