Anmerkung: Mit welchen Online-Tools ihr politisch aktiv bleiben könnt

veröffentlicht am 25. März 2020

Auf dem mosaik Blog wurde am 24. März 2020 unter dem Titel ’Zoom, Jitsi, Riot:
Mit welchen Online-Tools ihr politisch aktiv bleiben könnt’ ein Text
veröffentlicht, der einige Tools für online Kommunikation vorstellt. Da der
Artikel einige Dinge verkürzt darstellt, hier ein paar Ergänzungen zu dem
Thema.

Das erste Tool, auf das in dem Artikel eingegangen wird ist Jitsi. Jitsi ist eigentlich der Name eines Projektes, in dem seit etwa 15 Jahren verschiedene Lösungen für online Telefonie und Videokonferenzen programmiert werden. Eine aktuelle Softwarelösung des Projektes nennt sich Jitsi Meet und das ist die Software, auf die sich der Artikel bezieht. Jitsi Meet erlaubt es, über einen Webbrowser an Videokonferenzen teilzunehmen. Der Artikel beschreibt Jitsi Meet als ’verschlüsselte Videokonferenz-Software’. Leider wird dabei nicht weiter auf die Art der Verschlüsselung eingegangen: bei Jitsi Meet wird die Verbindung zwischen dem Browser der Nutzerin und dem Server, auf dem Jitsi Meet läuft, verschlüsselt- die Kommunikation ist jedoch nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt.
Das bedeutet, dass ihr dem/der ServerbetreiberIn vertrauen solltet, wenn ihr darüber sensible Gespräche führt, da auf dem Server die Daten entschlüsselt und dann wieder verschlüsselt werden. Eine Ausnahme gibt es bei Jitsi Meet für 1-zu-1 Verbindungen, also wenn nur 2 Personen miteinander konferieren. Hierbei versucht Jitsi-Meet eine direkte Verbindung zwischen den zwei GesprächsteilnehmerInnen herzustellen (was aber noch nicht automatisch heißt, dass die Verbindung dann Ende-zu-Ende verschlüsselt ist).

Der Autor schreibt weiter ’’Jitsi läuft in den letzten Tagen auf Grund der gestiegenen Nachfrage nicht immer ganz stabil’’ - dies bezieht sich wahrscheinlich auf die Jitsi-Meet Instanz des Jitsi Projektes, die unter https://meet.jit.si erreichbar ist. Zum Glück haben in den letzten Wochen verschiedene Technikkollektive viel Arbeit investiert, um AktivistInnen die Möglichkeit zu bieten, weiterhin online zu kommunizieren. So haben die GenossInnen von systemli.org einen Jitsi-Meet Server aufgesetzt, genauso wie die May First Movement Technology Kooperative, das Kollektiv Autistici/Inventati aus Italien und das Technikkollektiv Immerda aus der Schweiz (erlaubt das Erstellen von Konferenzen nur mit Immerda-Account). Eine weitere lange Liste von Jitsi-Meet Instanzen findet ihr im Chatons-Wiki, diesbezüglich aber nochmals der Hinweis: ihr solltet den BetreiberInnen des Services vertrauen.

Als nächste Lösung wird in dem Beitrag auf die proprietäre Videokonferenzsoftware ’Zoom’ eingegangen. Der Autor schreibt ’Dabei hat der Anbieter den Vorteil, Dokumente oder den Desktop von User_innen sehr einfach einblenden zu können’. Dies ist jedoch auch mit Jitsi-Meet über das Feature ’Share your Screen’ möglich.
Auf die Nachteile von Zoom wird oberflächlich eingegangen, hier noch ein Zitat aus einer Analyse der Electronic Frontier Foundation (EFF):

"For any meeting that has occurred or is in-process, Zoom allows administrators to see the operating system, IP address, location data, and device information of each participant. This device information includes the type of machine (PC/Mac/Linux/mobile/etc), specs on the make/model of your peripheral audiovisual devices like cameras or speakers, and names for those devices (for example, the user-configurable names given to AirPods)."

Zoom ist also eher eine Spyware, die *auch* Videokonferenz kann. Das Unternehmen versucht aber zu beruhigen- es verkauft die Daten nicht, es gibt sie nur für ’geschäftliche Zwecke’ her.
Über die Sicherheit von Zoom kann wenig gesagt werde, da es proprietäre Software ist. Das Produkt erregte jedoch in den letzten Jahren zweimal aufgrund schwerer Sicherheitslücken Aufsehen.

Ein Tool, das in dem Artikel nicht erwähnt wird, aber möglicherweise nützlich sein könnte, falls die Bandbreite für Video nicht ausreicht, ist Mumble. Die oben erwähnten Kollektive Mayfirst und Systemli stellen Mumble Server zur Verfügung.

Systemli haben vor kurzem erst eine gute Übersicht veröffentlicht, was es so für Tools für AktivistInnen gibt. Einen weiteren Text zu Kommunikation mit physischer Distanz gibt es hier. Grundsätzich hängt die Wahl von Kommunikationstools immer von eurem persönlichen Bedrohungsszenario (Thread Model) ab. Es gibt keine Lösung die für alles perfekt ist.

Zu guter Letzt noch eine Anmerkung zum Mosaik Blog selbst: Es ist schön, dass auf die Datenschutzverfehlungen der Tools eingegangen wird! Aber wenn der mosaik-block selbst Skripte von Facebook und Twitter einbindet, und damit die Daten der LeserInnen an Überwachungsnetzwerke weitergibt, hat das Ganze einen etwas fahlen Beigeschmack.

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