Is Hambi a threat again? Rückblick auf einen militanten Jahreswechsel

veröffentlicht am 5. Juli 2019

Seit der kläglich gescheiterten Räumung der Polizei mit tausenden von Cops im September 2018 ist viel passiert rund um den Hambacher Wald. Die Baumhaussiedlungen wurden wieder aufgebaut, Kohlebagger blockiert, Häuser in Manheim und Morschenich (Dörfer die abgerissen werden sollen für die Kohle) besetzt, in sämtlichen Medien darüber berichtet und auch so manch eine Sabotageaktion durchgeführt. Es wurden viele Grundsatzdebatten innerhalb und außerhalb des Projektes geführt. Und die Frage um Deutungshoheit über das Projekt war ein zentraler Punkt im Herbst 2018. Mit dem Text wollen wir einen kleinen Überblick über militante Aktionen rund um den Hambi geben, da diese oft kaum Öffentlichkeit bekommen und von vielen im Herbst als Aktionen von Provokateur*innen abgetan wurden. Doch auch militante Taktiken sind seit Jahren ein Teil des Kampfes gegen den Hambacher Tagebau und die Klimakatastrophe. Um darauf hinzuweisen und zu zeigen, dass es in diesem Kontext viele militante Aktionen gibt, wie die Polizei dagegen vorgeht und wie es vielleicht weitergehen kann, haben wir diesen Text geschrieben.

Chronologie

20.12.2019 Riot 1. Die Security Festung¹ von RWE wird mit Steinen angegriffen und in Teilen gestürmt. Securities, die sich aggressiv einer großen brennenden Barrikade auf der Security Straße nähern, werden mit Steinen angegriffen, ihre Autos stark beschädigt. Erst nach vielen Stunden ist ausreichend Polizei und ein Helikopter da, um die Reste der Barrikaden zu räumen, es bleibt ein hübsches großes Loch im Asphalt der Security Straße.

24.12.2019 Riot 2. Die Security Festung wird mit Steinen und Mollis angegriffen, es brennt in der Festung. Fahrzeuge der RWE Security werden beschädigt. Auch diesmal braucht die Polizei mit Helikopter sehr lange, um die Aktionen zu beenden.

24.12.2019 Brandanschlag auf Pumpstation: https://de.indymedia.org/taxonomy/term/2779

31.12.2019 Riot 3. Die Security Festung und Polizei auf der Security Straße werden über Stunden mit Mollis und Steinen angegriffen. Irgendwann nach Mitternacht stürmen mehrere Hundertschaften mit Spezialeinheiten den Wald.

31.12.2019 Brandanschlag auf mehrere Pumpstationen und einen Überwachungskameramasten: https://de.indymedia.org/node/27622

Im Zeitraum vom 20.12. bis Neujahr war die Security Straße konstant verbarrikadiert. Jedes Mal, wenn sie von Security oder Polizei geräumt wurde, wurde sie innerhalb kürzester Zeit neu verbarrikadiert. So konnte die Benutzung einer von zwei Zufahrtswegen zur Security Festung über längere Zeit massiv beeinträchtigt werden.

01.02.2019 Brandanschlag auf Stromkästen einer RWE Pumpstation: https://de.indymedia.org/node/29307

April 2019 Nachdem die Pumpstationen zwischen Manheim und dem Wald num zum xten Mal angegriffen und beschädigt oder zerstört wurden, werden sie von RWE entfernt.

06.05.2019 Boehls Fahrzeuge sabotiert in Böblingen, nachdem die Firma, die bereits bei der Hambi-Räumung 2018 Fahrzeuge im Einsatz hatte, bei der Räumung einer Schlachthofblockade in Düren einen Hubsteiger zur Verfügung stellte: https://de.indymedia.org/node/32419

06.05.2019 McDonalds wird in Freiburg im Breisgau wegen ihrer, auf den Hambi bezogenen, Greenwashing Kampagne angegriffen: https://barrikade.info/article/2244, kurze Zeit später werden zwei weitere Filialen angegriffen: https://barrikade.info/article/2268

05.06.2019 Nahe des Hambacher Forsts wird eine Polizeihunde Trainingsschule niedergebrannt: https://de.indymedia.org/node/33567

und viele weitere kleine und große Aktionen, die nicht veröffentlicht wurden.³

Deutungshoheit über den Hambacher Wald

Nach dem vierwöchigen Räumungsversuch der Baumbesetzungen im September 2018 war es NGOs wie BUND, Campact und Greenpeace gelungen, den Wald immer mehr für sich zu vereinnahmen. Höhepunkt dessen war die Großdemo am 6. Oktober 2018, über die an anderer Stelle schon genug geschrieben wurde. Die Mischung aus Vereinnahmung durch NGOs, massiver Repression bei der Räumung und der Wiederaufbau mit vielen neuen Besetzer*innen sorgte für ein heftiges Setback in Bezug auf die radikale Kritik und utopische Ausrichtung der Hambi-Besetzung. Selbst so grundlegende Ideen und Konzepte wie keine Kooperation mit der Polizei, keine Distanzierung und Diversity of Tactics mussten komplett neu diskutiert werden. Beinahe wäre es der Allianz aus Staat und NGOs gelungen, das Projekt so sehr für sich zu vereinnahmen, dass das Projekt Hambacher Forst auf den Kampf um die Bewahrung eines Stückchen FFH Richtlinien geschützter Natur reduziert worden wäre. Der eigentliche Hauptaugenmerk, das Ende des Braunkohleabbaus, geriet in den Hintergrund. Naturschützer*innen schlugen vor, um den Hambacher Wald herum zu baggern oder die Steilheit der Kante zu ändern, damit die paar Bäume stehen bleiben können.
Versteht das nicht falsch, der Wald war ein wertvolles Ökosystem mit einer extrem seltenen Artengemeinschaft, die von RWE für Profit niedergemäht wird. Aber es darf nicht vergessen werden, wie viel größer der Rahmen der Zerstörung durch den Braunkohleabbau ist. Wenn es nur um diesen einen Wald geht, heißt das im Umkehrschluss auch, dass an anderer Stelle, wo vielleicht nur eine Fichtenmonokultur steht, gerne so weiter gemacht werden kann?
Zudem ist der Wald durch Abpumpen des Grundwassers, extreme Bodenverdichtung durch die Räumungen, Belastung durch Licht-, Luft- und Lärmverschmutzung durch den Tagebau etc. nachhaltig zerstört worden. Er bleibt erhaltenswert, ist aber auch nur noch ein kläglicher Rest des ursprünglichen Ökosystems.
Es muss also um mehr als Naturschutz für ein paar Hektar Wald gehen. Es geht um die klimazerstörende Braunkohle. Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass die größten Schäden durch Braunkohle im globalen Süden entstehen.

Davon abgesehen ist das Projekt der Besetzung in seinen sieben Jahren auch immer ein anarchistisches Projekt gewesen und bleibt ein solches, das neben den konkreten Kämpfen gegen die Braunkohlegrube auch immer ein Versuch war, sich gegen Herrschaft und Kapitalismus zu organisieren und real utopische Alternativen des zusammen Lebens und zusammen Kämpfens zu schaffen und zu erproben.
Mit der Welle an militanten Angriffen Ende 2018 wurde es von NGO Seite schlagartig still in Bezug auf den Wald. Zusammen mit den vielen, kleinen Bemühungen, die Diskussionen und Ideen der letzten Jahre auch in der neuen Besetzung wieder einzubringen, konnte so die Deutungshoheit zu einem großen Teil zurück erkämpft werden.
Der Hambi spricht für sich selbst, in vielen Stimmen und mit vielen verschiedenen Meinungen.
Ohne Sprecher*innen, ohne NGOs.

Handlungsraum und die Offensive

Nach der Räumung fühlte sich die RWE Security rund um den Wald offensichtlich sehr sicher. Sie standen den ganzen Oktober über an einer Kreuzung auf der alten A4, hinderten Besetzer*innen und Besucher*innen am Durchkommen, schikanierten und kontrollierten Leute. Das selbe Spiel am Eingang zur Securitystraße Richtung Buir und an vielen anderen Stellen. Immer wieder kam es zu Festnahmen, nachdem Securities Besetzer*innen gestoppt hatten. Auch gewaltsame Angriffe und Hetzjagden waren keine Seltenheiten und immer wieder kam es zu Verletzten auf Seite der Besetzer*innen.
Das erinnerte ungut an vergangene Jahre in denen die Übergriffe der Security unter anderem darin gipfelten, dass ein*e Besetzer*in im Krankenhaus landete, nachdem sie von einem Security Auto bewusst angefahren wurde.
Mit den offensiven Angriffen im Dezember 2018 endete diese Präsenz der Security abrupt. Seitdem standen das ganze Frühjahr über keine Security Autos mehr dauerhaft an festen Orten, es gab keine Dauerkontrollen mehr, keine Präsenz im Wald, kaum noch Hetzjagden und Übergriffe. Das eröffnete deutlich mehr Bewegungsfreiheit für die Besetzer*innen und bedeutete auch ein zumindest temporäres Ende der dauerhaften Angst, auf dem Weg zu Freund*innen oder nach Hause jederzeit von Securities zusammengeschlagen werden zu können. Insofern müssen die Angriffe auf die Security Festung und bei den brennenden Barrikaden auch als ein Teil einer Strategie der Selbstverteidigung gesehen werden. Nach monatelangen Angriffen durch die Securities wurde zurückgeschlagen und die Securities in ihrer Homezone, ihrer Festung, angegriffen. Damit wurden den Securities recht deutlich gezeigt, dass sie uns nicht einfach ohne Gegenwehr angreifen, schlagen und verletzen können. Sie konnten maßgeblich zurückgedrängt werden, damit wir in unserem Alltag wieder sicherer auf der Besetzung leben können.
Neben dieser Tatsache soll auch daraufhin gewiesen werden, dass es nur einen Grund gibt, warum Security und Polizei nur in Großaufgeboten (oder mit Spezialeinheiten) den Wald betreten. Sie wissen, dass sie dort nicht sicher sind.
Das schützt uns alle und ermöglicht ein Leben im Wald, bei dem nicht jeden Moment Securities über uns herfallen können.

Erfahrungen mit Massenmilitanz: Selbstschutz, Nüchternheit, Militanz und Mackertum

Während es in Deutschland derzeit häufig Aktionen von Kleingruppen gibt, die auch immer wieder militant agieren, sind Momente der Massenmilitanz eher selten und es scheint an Wissen und einem Austausch zum Thema zu fehlen. Solche Aktionen sind häufig ihrer Eigenschaft nach spontan und entzünden sich situativ. Das heißt aber nicht, dass sie schlecht vorbereitet sein müssen. Wenn Wissen und Fähigkeiten, die Massenmilitanz effektiver und sicherer machen, weit verbreitet sind, werden wir auch in spontanen Momenten mehr Handlungsfähigkeit haben. Ob dies nun gute Vermummung, das Vermeiden von Fingerabdrücken, gute Scouting Systeme, Vorbereitungen von Materialdepots oder passende Schutzausrüstung sind.
Bei den Angriffen im Dezember war auffällig, dass viele Menschen schlecht vorbereitet waren und ein Wissensaustausch wichtig ist. Wie genau das sicher und gut funktionieren kann, ist eine schwierige Frage. Eine Möglichkeit wäre, Diskussionen über Massenmilitanz offener zu führen. Beispiele gibt es unter anderem beim G20 Gipfel 2017 in Hamburg, nach welchem einige Bezugsgruppen ihre Erfahrungen teilten und wertvolle Tipps gaben. Natürlich ist es wichtig, der Polizei keine unnötigen Informationen zu geben, aber das darf uns nicht an einem Erfahrungsaustausch hindern.
Konkret sind uns zu drei Themen aufgefallen:
Als erstes der Selbstschutz. Auch wenn einige Menschen Schilder bei den Angriffen nutzten, waren doch viele Menschen komplett ungeschützt vor Angriffen durch vor allem die Securities. Während die Polizei sehr selten Distanzwaffen in Deutschland nutzt, zeigte sich bei den Riots im Dezember, dass bei Angriffen auf Securities mit allem zu rechnen ist.
So wurden z.B. von Securities faustgroße Steine direkt auf die Angreifenden Aktivist*innen geworfen. Ein Treffer am Kopf wäre leicht tödlich. Auf so etwas kann mensch sich vorbereiten, ob nun durch Schilder oder Helme. Wir sollten uns einer solchen Gefahr nicht unbedacht aussetzen.
Ein weiterer Punkt ist Nüchternheit. Es scheint keine Seltenheit zu sein, dass Massenmilitanz und z.B. Alkoholkonsum ungünstig zusammenfallen. Während bei anderen Aktionsformen die Idee, Aktionen nur nüchtern zu machen, noch vergleichsweise verbreitet ist, ist dies bei Riots offensichtlich nicht der Fall, wie bei beispielsweise G20 2017 breit diskutiert.
Nicht komplett zurechnungsfähig an einer militanten Aktion teilzunehmen ist extrem gefährlich, nicht nur für die Person selbst, sondern für uns alle.

Daran schließt auch das dritte Thema an: Mackertum. Auf höchst gefährliche Weise kombinieren sich Rausch und Mackertum bei militanten Massenaktionen und resultieren in für alle gefährliche Verhaltensweisen, unsinniges Inkaufnehmen von Risiken, um zu zeigen wie krass ‚Mann‘ ist, das Fehlen von kollektiver Strategie und sexistischer Scheiße auf Aktion. Das führt zu einer Gefährdung aller Beteiligten, einer Reproduktion patriarchaler Gewaltmuster und sollte von uns nicht toleriert werden. Wer sexistische Scheiße auf Aktion von sich gibt, fliegt raus aus der Aktion. Nur so können wir uns kollektiv schützen und verhindern, dass militante FLINT* durch Rummackern aus einer Aktion gedrängt werden.

Die Polizeistrategie wechselt

Von den militanten offenen Angriffen Ende Dezember 2018 offensichtlich überrascht, fiel es der Polizei zunächst schwer, die Kontrolle zurückzuerlangen. Der Prozess, indem dies geschah, lohnt sich genauer zu analysieren.
Während die Polizei in Zusammenarbeit mit RWEs Security normalerweise durch Präsenz, regelmäßige Machtdemonstrationen in Form von Kontrollen, Razzien, Bodenräumungen, etc. versucht, die Besetzer*innen und das subversive Umfeld des Hambacher Waldes in der Defensive zu halten, verloren sie beginnend mit der ersten Riot am 20. Dezember zunehmend die Kontrolle. Es gelang ihnen bei den beiden offensiven Angriffen auf die Security Festung direkt neben dem Wald nicht, die Angriffe zu stoppen. Sie konnten letztlich nur nach einigen Stunden, nachdem sich die Angreifenden so oder so schon im Rückzug befanden, die Hauptstraßen² räumen und brennende Barrikaden entfernen. Es gelang ihnen nicht, Menschen festzunehmen oder die Angriffe sonst irgendwie zurückzudrängen.
Als am 31.12. der bislang größte Angriff auf Securities und die bereits von Anfang an anwesende Polizei stattfand, war klar, dass die Polizei diesmal fest entschlossen sein würde, mit allen Mitteln die Kontrolle an sich zu reißen. Die Strategie war grob umrissen:

1. Masse: sehr viel mehr Einheiten, mit hunderten von Hundertschaftscops frontal angreifen.
2. Überraschungsmoment: durch den Wald nahe der Security Festung anschleichen und dann losstürmen.
3. Spezialeinheiten und Luftaufklärung: um gleichzeitig den Rückzugsraum der Angreifenden zurückzuerobern.

Nach einer Weile, in der es ein Hin- und Her zwischen Polizei und Angreifenden gab, stürmten plötzlich hunderte Riotcops mit Schildern aus einem kleinen Waldstück außerhalb des Blickfeldes auf die Straße und in den Wald und zwangen so alle zum Rückzug, während bereits hinter den Angreifenden im Wald Spezialeinheiten (vermutlich BFE) versuchten zu flankieren.
Es gelang ihnen zwar so, die Angriffe letztlich zu einem selbst gewählten Zeitpunkt zu beenden und die Angreifenden in den Wald zurückzudrängen, doch auch diesmal endete der Einsatz nicht mit Festnahmen von den Angreifenden. Stattdessen zogen kleine Trupps der Polizei durch den Wald und schlugen sichtlich frustriert auf Bodenstrukturen ein. Die vielen Steine und Mollis auf Security und Polizei waren trotzdem geflogen. Und trotz massivster Polizeipräsenz und Wannen, die Waldränder konstant mit Suchscheinwerfern absuchten, konnten noch in der selben Nacht unentdeckt mehrere Pumpstationen und ein Videokameremast abgefackelt werden.
Sie hatten damit zwar die Hauptstraßen durch den Wald zurück erobert, aber der Hambi blieb außer Kontrolle.

Drohneneinsatz

Interessant ist dabei auch ein weiterer Aspekt der Polizeistrategie. Im Hambacher Wald ist sicherlich der Einsatz von Luftaufklärung essentiell. Es ist auch für eine so hochgerüstete Polizei mit all ihren Spezialeinheiten weiterhin sehr schwierig in einem Wald, den sie nicht halb so gut kennen wie ihr*e Gegner*in, den Überblick zu behalten und mehr als einige wenige Hauptwege zu besetzen. Um Menschen im Wald zu verfolgen, die Einheiten im Wald abzusichern und einen Überblick über die Lage zu bekommen, ist die Polizei auf Hilfe aus der Luft schlicht angewiesen.
Daher ist es sehr auffällig, dass am 31.12. kein Polizeihelikopter im Einsatz war. Die Polizei war nach den Angriffen am 20. und 24.12. jeden Tag mit einer Hundertschaft vor Ort, die für den Zeitraum dauerhaft in der Security Festung stationiert war und die Hauptstraßen bestreifte. Es war offensichtlich, dass sie weitere Angriffe erwarteten und in Anbetracht dessen, wie schnell mehrere Hundertschaften und Spezialeinheiten am 31.12. (im Gegensatz zu den anderen beiden Tagen) vor Ort waren, war es wohl keine große Überraschung für sie, dass an diesem Tag Angriffe auf sie stattfanden. Warum war also kein Helikopter zu sehen?
Eine Beobachtung von Besetzer*innen lässt auf den einzig logischen Grund schließen. Es wurde ein kleines blinkendes Etwas beobachtet, das beim Abzug der Polizei in der Nacht hinter der Polizeikolonne herflog. Die Polizei hatte den lauten und leicht zu verortenden Helikopter durch eine oder mehrere Drohnen zur Luftaufklärung ersetzt.
Das ist ein sehr spannender Punkt, denn auch wenn es allgemein bekannt ist, dass die Polizei seit ca. 2016 begonnen hat, Drohnen einzusetzen und seit G20 die flächendeckende Beschaffung von Drohnen beschlossen wurde, sind bekannte Einsätze von Drohnen doch etwas Neues und es fehlt an Diskussion und Gegenstrategien.
Eine Drohne kann recht problemlos Kleingruppen und Einzelpersonen verfolgen und relativiert damit den Wald als Rückzugsort. Während es in Städten meist gute Möglichkeiten gibt, eine Drohne abzuschütteln (z.B. große Gebäude, U-Bahn, etc.), ist es auf offenem Gelände eine gänzlich andere Situation. Lasst uns gemeinsam an Gegenstrategien arbeiten!

Spezialeinheiten

Durch den Einsatz militärisch organisierter Spezialeinheiten wie BFE, BFE+ und SEK im Hambacher Wald scheint die Polizei zu versuchen, die Situation weiter zu eskalieren und ein permanentes Bedrohungsszenario für die Bewohner*innen des Waldes zu schaffen. Wer sich dazu entscheidet, im Wald zu wohnen, muss damit rechnen, jederzeit von schwer bewaffneten Einheiten aus dem Hinterhalt angegriffen, geschlagen und festgenommen zu werden. Diese Strategie sorgt für eine andere Grundsituation als regelmäßige Bodenräumungen. Denn eine Bodenräumung ist meist vorher absehbar und wenn die Polizei in großen Mengen ankommt, können Menschen sich warnen.
Ganz im Gegensatz dazu der Einsatz von kleinen Einheiten wie BFE, die sich nachts in Gruppen von 4-6 in den Wald schleichen mit Nachtsichtgeräten und dort Bewohner*innen auflauern - so während der Räumung im September 2018 geschehen und auch wieder rund um den Jahreswechsel, als ein Mensch der auf ein Baumhaus klettern wollte, aus dem Nichts von Cops angegriffen und vom Seil gezerrt wurde.
Die Nachricht ist klar: Ihr seid nie sicher vor uns. Eine klare psychologische Einschüchterungsstrategie.

Bodenräumung: Zurückdrängen und Zwang in die Passivität durch Beschäftigungsstrategie

Im Oktober, direkt nach der erfolglosen Räumung des Hambacher Waldes, kam es zu einer Hochzeit des Wiederaufbau, aber auch an Aktionen gegen RWE. Es wurden viele Male Bagger besetzt, Barrikaden gebaut, Häuser in den umliegenden Dörfern besetzt, etc.
Das änderte sich mit den regelmäßigen Einsätzen der Polizei, bei denen alle Bodenstrukturen (also alles was nicht auf Bäumen gebaut ist, wie Küchen, Infobretter, Toiletten, Wohnzimmer, ...) in einem mindestens monatlichen Rhythmus zerstört wurden. Die Besetzer*innen wurden so dazu gezwungen, immer und immer wieder ihre Infrastruktur für das alltägliche Leben neu aufzubauen, nachdem mal wieder ein Bulldozer oder Räumpanzer über ihre Küche gewalzt war.
Es ist traurig zu sehen, wie effektiv diese Strategie zunächst war. Gab es im Oktober bis Anfang November wöchentlich Aktionen außerhalb des Waldes, gerieten die Besetzer*innen zunehmend in die Defensive. Ein Erfolg für die Polizei, denn wer eine neue Küche baut oder erst mal neues Werkzeug, Töpfe, etc. besorgen muss, stört weder Polizei und Security, noch den reibungslosen Abbau der Braunkohle. Durch regelmäßige Beschäftigung mit diesen Räumungen wurden das Projekt Hambi gezielt in die Defensive getrieben. Das änderte sich erst Ende Dezember mit der Offensive gegen Security und Polizei wieder.
Die Strategie ist erfolgreich, wenn bei Bodenräumungen viel zerstörbar ist für die Polizei. Was in den Bäumen ist und besetzt ist, lässt sich nicht so leicht räumen.

Insgesamt lässt sich aus dem Winter 2018 / 2019 eines klar erkennen: Wenn wir es zulassen, dass Staat und Konzerne unsere Kämpfe bestimmen und uns in die Passivität drängen, werden sie die Chance nutzen. Die Bodenräumungen, die vielen Kontrollen, Neuausrufung des Gefahrengebiet, Angriffe durch Security auf uns etc. waren keine Antwort auf militante Aktionen, sondern auf die reine Existenz des widerständigen Projekts Hambacher Waldbesetzung. Erst durch massive militante Angriffe konnten RWE und Polizei aus der Offensive in eine Reaktion Ende des Jahres 2018 gezwungen werden. Auch wenn es zu einer kurzfristigen Zuspitzung der Repression (erhöhte Präsenz der Hundertschaften, Spezialeinheiten im Einsatz, etc.) führte, öffnete es auch an vielen anderen Punkten Räume und erlaubte ein Ausbruch aus der Passivität in den Monaten davor, in denen auf die Angriffe der Security und Polizei nur noch defensiv reagiert werden konnte. Bis heute trauen sich die Security nicht mehr, offen an Straßenkreuzungen Kontrollen durchzuführen, Menschen zu schikanieren und gewaltsam anzugreifen. Sie haben verstanden, dass das nicht ohne Konsequenz für sie bleibt.

Der Brandanschlag am 31.12. mitten in einem der größten und offensivsten Einsätze der Polizei in den letzten Monaten zeigt, dass, egal wie engmaschig ihr Überwachungsnetz ist, ein Netz immer aus Löchern bestehen wird!

In die Offensive gegen Klimazerstörung, Profitlogik und deren Profiteure!


¹ Security Festung: Ein großer Komplex aus Schiffscontainern in denen die RWE Security ihre Einsätze rund um den Hambacher Wald koordiniert, Fahrzeuge parken und Material lagern. Sie befindet sich nur wenige Meter vom Wald entfernt neben dem Tagebau.

² Hauptstraßen: Securitystraße von Buir zur Security Festung, alte A4 von Manheim zur Security Festung und die Landstraßen zwischen Buir, Manheim und Morschenich.

³ In der Chronologie werden nur militantere Aktionen erwähnt, auch wenn genauso Plenum, Abspülen, Bauen, etc. Teil des Projekts sind. Darüber wird aber an anderer Stelle ausführlich berichtet und diskutiert, weswegen sich dieser Text auf das Militante fokussiert. Aber auch Abspülen und Plenum sind wichtig für militante Aktionen.

P.S. Lasst uns mehr über Militanz, Repression und Gegenstrategien diskutieren. Würde uns freuen, wenn ihr den Artikel dafür weiterverbreitet!

Weiterlesen

zum Thema Anti-Repression:

zum Thema Anarchismus:

zum Thema Brandanschlag:

zum Thema Ökologie - Umwelt - Klima:

zum Thema Überwachung: