Solidarisch zum Knast am 31.3.

veröffentlicht am 28. März 2022

Kundgebung am 31.3.2022, 16-18 Uhr
vor dem Polizeianhaltezentrum Hernalser Gürtel
Breitenfelder Gasse 21, 1080 Wien

Knast ist der sichtbare und brutale Ausdruck einer Gesellschaft, die unfähig ist, die von ihr verursachten Probleme zu lösen. Durch Haft sollen vom Staat deklarierte "Straftäter*innen" weggesperrt und "resozialisiert" werden, um Gesellschaften "sicherer" zu machen. Gefängnisse bringen jedoch keine besseren Menschen hervor, sondern reproduzieren "Straftäter*innen" und "Kriminalität". Denn einmal ins Knastsystem gesteckt, ist es sehr schwer, wieder aus diesem auszubrechen bzw. gesellschaftlich Fuß zu fassen. [Die Wörter hier im Absatz unter Anführungszeichen werden von der herrschenden Norm als Propagandabegriffe verwendet. Sie sind konstruiert und definiert und verklären den gesellschaftlichen Diskurs.]

Um das Kapital und die herrschende Norm zu schützen, liegt es im Interesse des Staates, massenweise Menschen wegzusperren, die sich nicht seiner Logik unterordnen können oder wollen. Dies betrifft in den überwiegenden Fällen Menschen aus der lohnabhängigen Klasse bzw. jene, die bereits tagtäglich von verschiedenen Unterdrückungsmechanismen betroffen sind. Wer reich und privilegiert ist, kann dem Knastsystem meist entgehen. Gefängnisse dienen also nicht der Sicherheit von Gesellschaften, sondern der Aufrechterhaltung der vorherrschenden kapitalistischen, rassistischen und patriarchalen Ordnung. Sie verschärfen gesellschaftliche Ungleichheiten, Missstände und bestehende Unterdrückungsverhältnisse.

Es sind vor allem von Rassismen und Armut betroffene Menschen, die mit Repressionen zu kämpfen haben und eingesperrt werden. Sie werden häufiger polizeilich kontrolliert und "krimineller" Handlungen verdächtigt. Armut zwingt Betroffene andererseits auch, gegen das Gesetz zu handeln, um zu überleben. Gefängnis hängt also auch eng mit Klasse zusammen. Wenn Geldstrafen, die nicht bezahlt werden können, zum Freiheitsentzug führen, werden jene stärker bestraft, die es sich nicht leisten können, diese zu bezahlen.

Knäste sind feindliche Orte. Gerade für Menschen, die bereits durch die herrschende Gesellschaftsordnung diskriminiert werden, bedeutet eingesperrt zu werden, noch mehr Gefahr. So verstärken sich beispielsweise Diskriminierungen aufgrund von Gender oder der Sexualität, da unter anderem sichere Rückzugsorte fehlen, während Wärter*innen und Mitgefangene Gewalt ausüben. Trans-Personen werden meist in "Männer-" oder "Frauenabteilungen" gesteckt, die nicht ihrem Geschlecht entsprechen und es wird ihnen massiv erschwert oder verwehrt, Hormonbehandlungen zu erhalten. Fehlende oder unzureichende medizinische Behandlungen im Knast führen zudem häufig zu Komplikationen während Schwangerschaften, bis hin zu Totgeburten.

Gerade die Covid-19 Pandemie hat für Gefangene deutlich schlimmere Konsequenzen, als für Menschen außerhalb der Mauern. Waren bereits in Zeiten vor Corona eine mangelnde Gesundheitsversorgung und Isolierung Gang und Gäbe, hat sich dies durch die Pandemie für eingesperrte Menschen nur verschärft. Dies führte dazu, dass es in vielen Knästen zu Unruhen und Aufständen kam - So etwa 2020 in Modena, Italien. Bei der Niederschlagung der Revolte wurden 14 Menschen durch Bullen ermordet.

Die Anzahl der Menschen, die vom Staat ihrer Freiheit beraubt werden, steigt stetig. Menschen werden in Lager und Knäste gesteckt, eingesperrt und abgeschoben, Isolation und Vereinsamung ausgesetzt.
Eingesperrt zu sein, ob im Knast oder im Lager, zieht psychische Traumata mit sich. Es verweist Menschen an den Rand der Gesellschaft, wo sie leichter vergessen werden können.

Aber wir vergessen die Menschen, unsere Gefährt*innen, hinter den Mauern und in den Lagern nicht!

Aus diesem Grund wollen wir uns nun vierteljährlich, immer am Ende des Quartals, vor den Mauern eines Knasts treffen, und unserer Solidarität lautsark Ausdruck verleihen.

Denn wir sind nicht alle, es fehlen die Gefangenen und gemeint sind wir alle! Wir treten gegen jede Form von Knast und für eine Welt ein, in der wir unsere Konflikte selbst lösen!

Auf dass alle Knastmauern eingerissen werden und jede Form von Herrschaft und Autorität zerschlagen wird!

[eng]
Rally
31.3.2022, 4:00 - 6 p.m.
in front of the PAZ police detention center Hernalser Gürtel
Breitenfelder Gasse 21, 1080 Vienna

Prison is the visible and brutal expression of a society incapable of solving the problems it creates. Through imprisonment, "criminals" declared by the state are supposed to be locked away and "resocialized" in order to make societies "safer". Prisons, however, do not produce better people, but rather reproduce "criminals" and "criminality". Because once put into the prison system, it is very difficult to break out of it again or to gain a foothold in society. Those who are rich and privileged can usually escape the prison system. Prisons therefore do not serve the security of societies, but the maintenance of the prevailing capitalist, racist and patriarchal order. They exacerbate social inequalities, grievances and existing relations of oppression.

It is mainly people affected by racism and poverty who face repression and are imprisoned. They are more frequently subjected to police checks and suspected of "criminal" acts. Poverty, on the other hand, also forces people to act against the law in order to survive. Thus, imprisonment is also closely related to class. When fines that cannot be paid lead to imprisonment, those who cannot afford to pay them are punished more severely.

Jails are hostile places. Especially for people who are already discriminated against by the prevailing social order, being locked up means even more danger. For example, discrimination based on gender or sexuality is exacerbated by the lack of safe places to retreat, while guards and fellow inmates use violence. Trans people are usually put in "men’s" or "women’s" wards that do not correspond to their gender, and they are mostly denied hormone treatments.
Lack of or inadequate medical treatment in prison also often leads to complications during pregnancies, including stillbirths.

Being incarcerated, whether in jail or in a camp, entails psychological trauma. It relegates people to the margins of society, where they are more easily forgotten.

But we do not forget the people, our companions, behind the walls and in the camps!

For this reason we want to meet every end of the quarter, in front of the walls of a prison and express our solidarity loudly.

Because we are not all, the prisoners are missing!
We stand against any form of prison and for a world in which we solve our conflicts ourselves!

Until all prison walls are torn down and every form of domination and authority is smashed!

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